§ 36. Durch Scheidung von Tisch und Bett.
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rechtlichem Gebiete keine Veränderung in der Rechtsstellung der
Gatten. Principiell hat eine solche Scheidung bloss factische
Bedeutung (a. b. G.B. § 93 u. S. 74).1 Streitig ist, ob die gesetzliche ¬
Alimentationspflicht des Mannes (§ 91) fortdauere.
Einigkeit herrscht darüber, dass die Frau, wenn keine Gefährdung
derselben vorliegt, durch eigenmächtige Aufhebung der ehelichen
Gemeinschaft ihren Alimentationsanspruch verliert.2 Bei eigenmächtiger -
Aufhebung des ehelichen Zusammenlebens durch den
Mann bleibt dagegen dessen Alimentationspflicht in vollem Umfange
bestehen.3 Im Falle einer einverständlichen factischen Scheidung
dauert in Ermangelung einer entgegenstehenden Vereinbarung* die
gesetzliche Unterhaltspflicht in vollem Umfange fort, weil eine solche
Scheidung die Rechtsstellung der Gatten nicht verändert (§§ 93,
91)° und selbst bei gerichtlicher Scheidung die Alimentationspflicht
nur dann ipso facto gänzlich entfällt, wenn die Frau allein an der
Scheidung die Schuld trägt.“
B. Gerichtliche Scheidung.
Grundsatz ist: Alle jene
dem gesetzlichen Güterrecht angehörenden Wirkungen der Ehe,
welche in der ehelichen Gemeinschaft (Hausgemeinschaft) wurzeln.
fallen mit deren Aufhebung hinweg.
In Ansehung der gesetzlichen
Unterhaltspflicht des Mannes sowie überhaupt jener vermögensrechtlichen -
Verhältnisse der Gatten
welche einer vertragsmässigen
Regelung fähig sind, insbesondere also rücksichtlich der Ehepacten,
1 Vgl. G. U. 2635, 4343.
5090; entgegenges. 3021, E. v. 28.VIII.
1883 (C.B. 1884 No. 47).
2 G.U. 1712, 1896, 2606, 2635,
Namentlich die in § 91 u. 92 ent3076, ¬
5090, 5125, 7251, 8688, 8398,
haltenen güterrechtlichen Wirkungen
E. v. 28. VIII. 1883 (C.B. 1884 No. 47).
(üb. d. Unterhaltspflicht vgl. w. u.),
3 G. U. 1896, 2148,3335, 4545,5090,
das gesetzliche Verwaltungs- u. Ver6683, ¬
8010.
tretungsr. d. Mannes (§ 1034, 1238 ff.):
G. U. 5491. Die Ehe bildet fortan
* Üb. deren Zulässigkeit: G.U. 8
keinen Hemmungsgrund d. Ersitzung
(richtig 2. Inst.), 4590, 6480, 8433
u. Verjährung (§ 1495). D. Vermuthun(anders -
2. Inst.).
gen d. §§ 1237, 1247, 1232 bleiben
5 Daher könnte in solchem Falle der
dag. an sich unberührt, ebenso die
Mann selbst durch Vertrag seiner
d. Ehegüterr. angehörenden FormUnterhaltspflicht -
nicht gänzlich entvorschriften -
(Ges. v. 25. VII. 1871 etc.);
bunden werden (vgl. S. 147).
vgl. auch § 3 u. 30 d. Anf. Ges. v.
° G.U. 4590, 5110, 8010, 8398, auch
16. III. 1884.
treu, Von d. Aliment. d. geschied. Ehegattin, Wien, 1826; Nippel, G. R. § 23, 196-198:
Dolliner, III. S. 32 ff., 143 ff., 149 ff., 187 fl., i. d. Z. f. ö. R. G. 1827, II. S. 1 ff.; 1828
I. S. 121 ff., II. S. 236 ff.; 1829 I. S. 92 ff., 357 ff.; Rittner, S. 314, 327, 334, 335; Ogonowski, -
I. S. 416 ff.; Canstein, Comp., II. S. 512, 514, 515. — C. Ther. 75, 79—84 I. 2;
162, 269 I. 3; E. H. I. 3 § 29—31, 67; E.M. III. 10 § 23, I. 3 § 34, 44, 46; J.G. B. III. 100
101, 103, 109; W. G. G. B. III. § 387, I. § 92, 104, 110, 113.