605
Vio m Tode.
aus der oben (§. 630, B) gegebenen übersicht der wahrscheinlichen
und mittleren Lebensdauer in Genf, daß daselbst die Sterblichkeit
auch im hohen Alter, nur nicht im höchsten (vom 95sten Jahre
an) jetzt geringer ist als im vorigen Jahrhunderte; in Stuttgart
hingegen ist sie auch bis in das höchste Alter vermindert, indem
nach Schübler (Nr. 394. S. 7) die relative Sterblichkeit, sich
folgendermaaßen verhielt:
1762—1790 1790—1805 1803—1811 1812—1827
24,8
223.
221
vom 60sten bis 70sten Jahre 22,4
137
14/
70= — 80 = — 13,4
14,1
10/6
10,9
80= — 90 - — 10,6
11.5
86
90
10,2
11,3.
90 — 100 Wenn -
aber das Leben in seinem ganzen Verlaufe jetzt mehr gesichert ¬
ist als vormahls, so erkennen wir darin die Wirkung der
Fortschritte, welche die Heilkunst in den neueren Zeiten gemacht
hat, noch mehr aber die Wirkung einer allgemeineren Verbreitung
der Aufklärung, einer verständigeren und naturgemäßeren Einrichtung ¬
der Lebensweise, einer Erhöhung der Betriebsamkeit und dadurch ¬
auch der geistigen Regsamkeit, so wie der Sittlichkeit. Meslier ¬
(Nr. 423. XVII. p. 459 sqq.) hat nachgewiesen, daß in den
verschiedenen Departements von Frankreich die Sterblichkeit um so
geringer ist, je mehr für den öffentlichen Unterricht gesorgt ist, und
umgekehrt.
§. 632. Untersuchen wir nun den Einfluß der Gattung auf
die Lebensdauer der Individuen, so erkennen wir a) es überhaupt
an, daß, je mehr in einem Individuum der Charakter seiner Gattung ¬
ausgeprägt ist, dasselbe auch um so eher die normale Lebensdauer ¬
erreicht, da eben diese mit zum Charakter gehört. Die mittlere ¬
Größe, der proportionirte Bau, die gute Brust, der starke
Magen, der kräftige Puls u. s. w. begründen eben nur insofern
die Anwartschaft auf ein hohes Alter, als sie der Ausdruck einer
normalen Entwickelung des Gattungscharakters sind. Wie Riesen
und Zwerge nur eine kurze Lebensdauer haben, aber jene älter werden ¬
als diese, so ist auch ein gleiches Verhältniß bei ungewöhnlicher
Stärke und Schwäche der Geisteskraft zu bemerken. Was aber
den Gedanken seiner Gattung in der Beschränkung der Individua¬