Volltext : Sturm, Leonhard Christoph: Architectura civili-militaris, Oder

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Das  V  Wauptstück.
Von  Korn=  oder  Proviant=Mäusern.
DJevon  hat  unser  Goldmann  nichts  /  und  scheinet  auch  nicht  nöthig  zu  seyn  /  davon  zu
handeln  /  weil  es  eine  leichte  /  und  allen  der  Oeconomie  Verständigen  aller  Orten
gnugsam  bekandte  Materia  sey  /  zumahl  an  diesen  Gebäuden  auf  die  Zierlichkeit  eben
nicht  zu  sehen  sey  /  zum  wenigsten  auf  keine  solche  /  die  über  der  gemeinen  Maurer  /
oder  Zimmerleute  Verstand  oder  Sphæra  gehe  /  und  also  eines  Baumeisters  zur  Anordnung
benöͤthiget  wäͤre.  Darum  häͤtte  ich  sie  auch  ohne  getadelt  zu  werden  /  ohne  Zweiffel  vorbey
gehen  können.  Doch  weil  es  die  schlechte  Mühe  und  den  kleinen  Raum  des  Papiers  wohl
belohnet  /  daß  man  etwas  von  Versorgung  solcher  Magazyn  wider  ein  feindliches  Bombardement -
  rede  /  und  es  doch  nutzlich  ist  /  wenn  die  Anfänger  in  der  Bau=Kunst  auch  in  diesem
Stücke  nicht  gantz  unwissend  bleiben  /  will  ich  hier  etwas  weniges  davon  handeln  /  so  etwa
die  Oeconomos  selbst  zu  lesen  nicht  gereuen  wird.
So  sind  nun  die  Eigenschafften  eines  guten  Getrayd=  oder  Proviant=Hauses:  Wenn
1.  das  Getrayde  sich  bequem  auf  und  abbringen  lässet.  2.  Behöriger  Raum  zu  Schüttung
und  Umwendung  des  Getraydes  vorhanden  ist.  3.  Die  Lufft  darinnen  wohl  kan  dirigiret
werden  /  daß  das  schädliche  abgehalten  werde  /  das  nutzliche  von  Lufft  und  Winden  wohl
durchstreiche  /  schädlicher  Feuchtigkeit  und  brennender  Hitze  vorgebauet  werde  /  u.  s.  w.  4.
Wider  Diebe  /  welche  nicht  so  wohl  unter  Menschen  /  als  unter  Vögeln  /  Ratten  und  Mäusen =
  sich  befinden.  Und  5.  wider  Feuers=Gefahr  gute  Vorsicht  geschehen  ist.
Dem  ersten  Punct  ein  Genüͤgen  zu  schaffen  /  ist  keine  Disposition  bequemer  /  als  die  ich
bey  dem  Zeughause  gemachet  habe  /  wenn  nemlich  zwey  lange  Gebäͤude  mit  kurtzen  und  schmahlen ¬
  Queer=Gebäuden  an  beyden  Enden  zusammen  gehänget  werden  /  und  also  einen  langen
schmahlen  Hof  zwischen  sich  einschliessen  /  so  kan  man  durch  die  Queer=Gebäude  die  Korn=Fuhren =
  durchgehen  /  unter  denselben  abladen  /  und  die  Säcke  mit  Winden  aufziehen  /  auch  Säcke
von  den  Böͤden  auf  Rutsch=Bretern  herunter  rutschen  und  auffladen  lassen  /  und  die  KornBöden =
  selbst  vor  allen  Fremden  verschlossen  behalten  /  daß  es  einem  Feind  nicht  leicht  möglich
sey  /  zu  erkundschafften  /  was  vor  Geträyde=Vorrath  vorhanden  seyn  /  so  lange  die  darüber  gesetzte =
  Personen  redlich  verbleiben.
Das  zweyte  Stück  erfordert  /  daß  man  die  Böͤden  fein  niedrig  mache  /  damit  man  desto
mehr  über  einander  gewinnen  köͤnne  7.  7,.  biß  höchstens  acht  Fuß  in  Lichten  /  ist  Höhe  genug.
Der  Raum  auf  jeden  Boden  aber  muß  nach  der  Läangs  /  durch  zwey  Reyhen  Ständer  oder
Seulen  /  (welche  18.  biß  20.  Fuß  weit  von  einander  nach  der  Laͤnge  hin  von  einander  stehen)
in  drey  Theile  getheilet  werden  /  deren  jeglicher  wenigstens  10.  höchstens  15.  Fuß  in  Lichten
breit  sey.  Keine  Schwellen  aber  müssen  dazwischen  erhoben  seyn  /  so  kan  man  die  beyden  Räume =
  an  den  Seiten  voll  Getrayd  schütten  /  und  es  Wechsel=weise  auf  dem  mittlern  umwenden.
Der  dritte  Punct  ist  gar  leicht  zu  erhalten  /  wenn  man  auf  allen  Böͤden  um  und  um
Fenster  haben  /  und  dieselbe  mit  dichten  Läden  wohl  verschliessen  kan  /  so  hat  man  hernach =
  nur  einen  verständigen  /  unverdrossenen  und  redlichen  Verwalter  nöthig  /  der  fleissig =
  auf  die  Beschaffenheit  der  Witterung  Achtung  gebe  /  und  das  öffnen  und  schliessen  der  Laden =
  wohl  darnach  zu  dirigiren  wisse:  Vornemlich  aber  muß  man  um  ein  dichtes  Dach  wohl
bekümmert  seyn  /  daß  der  Regen  und  das  Schnee=Wasser  nirgend  durchlecken  /  oder  vom
Wind  durchgetrieben  werden  könne.
Was  den  vierdten  Punct  anbelanget  /  kan  man  vor  den  Vöͤgeln  auch  leichtlich  sicher
seyn  /  wenn  die  Fenster=Läden  einwarts  köͤnnen  aufgemachet  werden  /  und  aussen  die  Fenster
oder  Lucken  mit  dichten  Netzen  üͤberzogen  werden.  Die  Würme  kan  man  auch  vermeiden,
wenn  von  Anfang  gleich  in  den  Korn=Häusern  die  Lufft  wohl  dirigiret  /  und  die  Böͤden  von
Staub  und  Feuchte  fleißig  gereiniget  werden.  Gegen  die  Ratten  und  Mäuse  aber  sich  genugsam =
  zu  verwahren  /  halte  ich  vor  eine  grosse  Kunst  /  und  wer  mit  Getrayd=Sammlung  zuthun =
  hat  /  und  geitzig  dabey  ist  /  wird  ohne  Verdruß  und  Kümmernuß  schwerlich  dieser  künstlichen =
  und  unermuͤdeten  Minirer  wegen  bleiben  /  wiewohl  wenn  sie  nicht  nur  kauffen  /  sondern
auch  verkauffen  /  sich  dessen  noch  ein  wenig  getrösten  können  /  daß  sie  ihnen  zur  Danckbarkeit
vor  das  Getrayde  ihren  Koth  zurüͤcke  lassen  /  welchen  der  Käuffer  wiederum  bezahlen  /  und
mit  sich  von  dem  Boden  nehmen  muß.  Die  besten  Mittel  sind  /  wenn  die  Korn=Häuser  um
und  um  von  Stein  gebauet  und  diese  Mauern  tieff  aus  der  Erde  aufgeführet  werden  /  wenn
man  /  welches  ohne  dem  zu  vielem  nützlich  ist  /  darunter  gewölbte  Keller  bauet  /  und  diese  sowohl =
  an  dem  Gewölbe  /  als  an  dem  darüͤber  liegenden  Aesterich  wohl  verwahret  werden  /  daß
die  Steine  dazu  voͤllig  gantz  und  dicht  gefuͤget  sind/  damit  nirgends  einige  Luͤcke  dazwischen  bleibe. ¬
  Wenn  man  die  Thüren  zu  den  Korn=Böͤden  allezeit  dicht  schliessend  erhält  /  und  endlich
vor
            
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