Volltext : Ehrle, Franz: Beiträge zur Geschichte und Reform der Armenpflege

Einige  leitende  Gesichtspunkte.
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mit  Unterdrückung  ihrer  eigenthümlichen  Selbständigkeit  eingezwängt  und
zu  einer  einzigen  homogenen  Masse  verarbeitet  werden  sollen.  Wir
denken  uns  diese  Vereinigung  vielmehr  nach  Art  jener,  welche  die
Charity=Organisation=Society  theilweise  schon  hergestellt  hat,  theilweise
noch  anstrebt.  —  In  ihr  stellt  sich  die  Gemeinde=Pflege  oder  auch  die
staatliche  Pflege,  wo  eine  solche  gefordert  ist,  der  geeinten  privaten
coordinirt  und  brüderlich  zur  Seite.  Zu  einer  solchen  Einigung  drängt
das  eigene  Interesse  eine  jede  Pflegekraft.  Denn  wenn  die  Vertreter  der
einzelnen  Vereine,  Anstalten  und  Stiftungen  mit  den  Leitern  der  kirchlichen ¬
  und  Gemeinde=  bezw.  staatlichen  Pflege  zu  regelmäßig  wiederkehrenden ¬
  Versammlungen  zusammenträten,  wenn  dazu  noch  ein  Central=Organ
über  die  Bestrebungen  auf  dem  Gebiete  der  Armenpflege  aus  allen
Ländern  reichhaltige  Berichte  erstattete  und  die  leitenden  Principien  stets
wieder  in  Erinnerung  brächte,  so  würde  ohne  Zweifel  die  Liebe  zum
Wohlthun  mächtig  wachsen  und  der  gute  Wille  größere  und  nachhaltigere
Resultate  erzielen.
—  Sollte  die  zu  einem  solchen  Zusammenwirken
nöthige  Zurückdrängung  der  persönlichen,  politischen  und  confessionellen
Differenzen  nur  jenseits  des  Canales  möglich  sein?
VII.  Es  ist  eine,  wie  wir  nachwiesen,  auch  katholischen  Kreisen
nicht  fremde  Überzeugung,  daß  die  nach  Möglichkeit  anzustrebende
Unterdrückung  des  Bettelns  bei  anderweitiger  Versorgung  der
Hilfsbedürftigen  als  durchaus  zulässig  betrachtet  werden  muß.  Doch  wie
ist  diese  Unterdrückung  zu  bewerkstelligen?  So  lautet  eine  häufig  wiederkehrende ¬
  Frage.  Die  Antworten  sind  verschieden:  Polizeimaßregeln,
Anti=Bettelvereine,  Plakate  an  den  Hausthüren,  welche  die  Bettler  schon
von  vorneherein  von  der  Vergeblichkeit  ihrer  Bemühungen  überzeugen
sollen  u.  s.  w.
Doch  die  Wirksamkeit  der  meisten  und  der  sittliche  Werth  mancher
dieser  Maßnahmen  scheint  uns  mehr  als  zweifelhaft.  —  Zunächst  ist
festzuhalten:  Die  Einschränkung,  bezw.  Beseitigung  des  Bettelns  kann
erst  dann  erzielt  werden,  wenn  einmal  das  Verabreichen  von  Gaben  an
herumziehende  Bettler  eingeschränkt,  bezw.  beseitigt  wird.  Es  sind  also
mehr  die  Geber  in's  Auge  zu  fassen,  als  die  Empfänger.  Um  aber
ein  willkürliches  Spenden  von  Gaben  zu  verhindern,  gibt
es  wohl  nur  ein  wirksames  und  zugleich  sittlich  durchaus
zu  rechtfertigendes  Mittel.  Man  bringe  den  Gebern  die  Überzeugung ¬
  bei,  daß  für  die  Armen  durch  die  bestehende,  vereinigte  private
und  öffentliche  Pflege  hinreichend  und  liebevoll  gesorgt  sei.
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