Volltext : Ideen zu einer erneuerten Kritik der Vernunft - Kritik der Urtheilskraft (Theil 1)

Max-Planck-In

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stellung  auch  zugleich  immer  dieses  empfinden,  und  dadurch
selbst  zu  dem  Unangenehmen  uns  hingezogen  fühlen.  Kindern, -
  welche  nicht  lesen  lernen  wollen,  macht  man  dasselbe
durch  Aepfel,  Kuchen,  Bilderbücher  und  gute  Worte  so  lieb,
dafs  es  eine  Freude  ist,  ihren  Fleiss  zu  sehen.  So  wird  uns
namentlich  durch  das  Angenehme  der  Gewohnheit,  zumal  da
dabei  auch  mit  der  Zeit  jeder  Eindruck  seinen  Reiz  verliert,
auch  das  Unleidlichste  lieb  und  werth.  —  Nun  aber  folgt  doch
auch  hieraus  nicht;  dafs  es  einem  Gegenstande  zufällig  oder
gleichgültig  sey,  angenehm  oder  unangenehm  zu  seyn;  denn
erstlich  bemerke  man  wohl,  dafs  alle  solche  Uebertragung  des
Woblgefallens  und  Mifsfallens  nur  scheinbar  ist,  dass  dadurch
nicht  wirklich  der  unangenehme  Gegenstand  selbst  angenehm
wird,  sondern  nur  die  Vorstellungen  oder  Eindrücke,  welché
er  mit  sich  führt,  und  welche  wohl,  wenn  sie  in  hinreichendem -
  Maasse  vorhanden  sind,  die  Unannehmlichkeiten  des  Gegenstandes -
  unfühlbar  machen,  aber  nie  vertilgen  können.  Ein
ganz  analoges  Beispiel  ist,  wie  wenn  jemand  eine  bittere  Arznei, -
  in  eine  überwiegende  Menge  süsser  gemischt,  geniefst,
ohne  die  Bitterkeit  zu  spüren,  und  sich  überredet,  Süsses  zu
geniefsen.  Aber  auch  zugegeben,  dass  wirklich  durch  eine
solche  Uebertragung  der  Gefühle  etwas  Angenehmes  oder  Unangenehmes -
  den  entgegengesetzten  Charakter  annehmen,  und
wirklich  selbst  den  entgegengesetzten  Eindruck  machen  könnte,
so  folgt  daraus  doch  nichts  gegen  die  Objektivität  des  Gefühls;
denn  man  wird  doch  zugeben  müssen,  dass  ein  solcher  eutgegengesetzter -
  Cbarakter  nicht  der  dem  Gegenstande  wesentliche
ist,  und  dieser  ihn  nicht  an  und  für  sich  selbst,  durch  seine
eigene  Natur  an  sich  trage;  und  so  wird  man  stets  unterscheiden -
  müssen  zwischen  den  Eindrücken,  welche  ein  Ding
an  und  durch  sich  selbst,  und  denen  welche  es  so  durch
Anderes,  durch  Uebertragung  hervorbringt,  und  man  wird
bemerken,  dass  jene  immer  nur  ein  und  dieselben  seyn  könfür -
  Bi
            
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