Volltext : Hampke, Thilo: Handwerker- oder Gewerbekammern ?

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männischen  Seite  ihres  Betriebes  nach  dem  Handels-,  und  der  technischen
Seite  nach  dem  Gewerbestande  angehören.  Es  erscheine  daher  als  ganz  sachgemäß, ¬
  daß  diese  Doppelseitigkeit  in  dem  Rechte  zur  Beteiligung  an  beiden
Kammern  Ausdruck  finde.
Es  soll  daher  den  Großindustriellen  überlassen  sein,  ob  sie  in  der  einen
oder  anderen  Kammer  ihre  Interessenvertretung  erblicken  wollen.  Die  Erfahrung ¬
  lehrt,  daß  von  diesem  aktiven  und  passiven  Wahlrecht  zur  Gewerbekammer ¬
  seitens  der  Großindustriellen  in  den  Hansastädten  ein  äußerst  bescheidener ¬
  Gebrauch  gemacht  wird.
Unseres  Dafürhaltens  liegen  die  Interessen  der  Großindustrie  im  Wesentlichen ¬
  auf  einem  anderen  Gebiete  als  die  des  Kleingewerbes.  Beim  Handwerk ¬
  handelt  es  sich  hauptsächlich  um  die  Lehrlingsausbildung  und  ähnliche
Fragen,  die  für  die  Großindustrie,  welche  nur  noch  in  geringem  Maße  Lehrlinge ¬
  kennt,  sondern  jugendliche  Arbeiten  an  Stelle  solcher  beschäftigt,  nicht
unmittelbar  von  Bedeutung  sind.  Indirekt  hat  die  Großindustrie  an  einer
tüchtigen  handwerksmäßigen  Lehrlingsausbildung  ein  großes  Interesse,  da
sich  die  Werkmeister  und  ein  großer  Teil  der  Arbeiter  aus  gelernten  Handwerkern ¬
  rekrutieren.  Wir  halten  eine  Vereinigung  von  Großindustrie ¬
  und  Kleingewerbe  in  einer  Korporation  nicht  für
richtig,  sondern  glauben  vielmehr,  daß  die  Großindustrie
mit  dem  Handel  vereinigt  bleiben  sollte,  während  die
kleinere  Industrie,  deren  Interessen  mehr  nach  dem  Handwerk ¬
  hinneigen,  mit  diesem  in  Gewerbekammern  vereinigt
werden  müßte.  Auf  diese  Weise  würde  die  verbindende
Mittelstellung  der  Industrie  zwischen  Handel  und  Handwerk ¬
  gewahrt  und  verhindert,  daß  sich  einseitige  Klassenvertretungen ¬
  bilden.
Prof.  Schmoller  wie  die  Gewerbekammertage  sind  zu  ihrem  Vorschlag
die  Großindustrie  mit  dem  Handwerk  zu  vereinigen,  nur  gekommen,  weil  sie
die  Schaffung  von  Handwerkerkammern  für  unrichtig  hielten.  Intelligentere
weitsichtigere  Elemente  sollten  der  Gewerbekammer  erhalten  bleiben.  Auch
wir  halten  es  für  unbedingt  erforderlich,  daß  höhere  gewerbliche ¬
  Schichten  mit  in  die  Gewerbekammer  einbezogen
werden  müssen,  nur  braucht  dies  nicht  die  ganze  Industrie
zu  sein,  sondern  es  reichendie  Schichten  derselben  aus
welche  dem  Handwerk  am  nächsten  stehen  und  mit  demselben
solidarische  Interessen  haben.
Auf  diese  Weise  wird  allerdings  eine  Scheidung  zwischen  den  Industriellen,
welche  der  Handels-,  und  denen,  welche  der  Gewerbekammer  zugehören
sollen,  nötig.
            
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