§ 9. Subsidiäre Quellen.
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§ 9.
B. Subsidiäre Quellen*).
Wo geschriebene mecklenburgische Gesetze nicht ausreichen,
machen sich vernünftige vaterländische Gewohnheiten, Observanz
und gerichtliche Praxis'), so weit sie nicht als besondere Gewohnheiten ¬
des vormaligen Land= und Hofgerichts erscheinen2),
zunächst geltend. Rechtssprüche (m. vergl. den § 16 der revidirten ¬
O. A. G. Ordnung) und Regiminal=Rescripte verdienen
hiebei vorzügliche Beachtung.
Die letzte subsidiäre Quelle ist das gemeine deutsche Proceßrecht ¬
und vorzugsweise das geschriebene Kaiserliche Recht mit den
Reichsabschieden?). Die processualischen Bestimmungen des Lübischen ¬
Rechts haben in den Meckl. Landstädten, welche mit demselben ¬
bewidmet sind, nie gegolten, da die Bewidmung sich auf
den privatrechtlichen Theil beschränkt*).
In Wismar sind die
in dem Lübischen Rechte vorkommenden, das gerichtliche Verfahren ¬
betreffenden Vorschriften noch besonders aufgehoben*).
- —
*) Klüver's Beschreib. des Herzogth. Mecklenb. Th. II. Anh. 3. S. 749 ff.
*) L. u. H. G. O. I. 4 § 5, I. 15 u. 16. G. C. O. in dem einleitentenden -
Edicte und I. 1 § 1, I. 3 § 3, II. 1 § 2. Schw. C. O. § 3.
Consist. O. II. § 1. Nach einem an den Magistrat zu Güstrow erlassenen
Reg.=Reser. v. 23. April 1796 (v. Kamptz Civil=Recht Th. 1 Abth. 2
S. 280. P. G. V. S. 300. H. G. I. S. 50) können bestimmte Gesetze
durch neue Gewohnheiten nicht aufgehöben werden.
*) Pstum. ad rescr. de 24. Aug. 1818 (v. B. Forts. S. 157.
Raabe II. S. 337). Daß dieses Verbot den besonders und grundgesetzlich ¬
confirmirten Land- und Hof-Gerichts-Gebrauch über das beneficium
divisionis der Bürgen nicht trifft, hat F. Kämmerer in den Beilagen zu den
wöchentlichen Rostock'schen Nachrichten 1819 S. 113 ff. gezeigt.
3) L. u. H. G. O. und G. C. O. a. a. O., auch II. 16 § 2, II. 20
§ 3. Consist. O. a. a. O. L. G. G. E. V. §§ 398 und 410.
*) Hellwig diss. de reconventione ad L. u. H. G. O. II. 20.
§ XI. a. E. Ciese in der Beil. zu den Rost. Nachr. 1829 S. 80 f. und
S. 111 f. Was zum gerichtlichen Verfahren gehört, ist, wie diese Schriftsteller ¬
zeigen, theilweise streitig.
3) Wismarsches Publ. v. 15. Janr. 1840 nr. I. 4.