Volltext : ¬Die sociale Lage der Fabrikarbeiter in Mannheim und dessen nächster Umgebung

Die  Arbeitszeiten  und  die  Arbeitsformen.
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teien  selbst  hervorgehen,  sind  sie  nur  ein  Beleg  dafür,  daß  in  denselben
entgegen  einer  bestehenden  Vermuthung  in  der  Beurtheilung  der  Arbeiterzustände ¬
  nicht  immer  diejenigen  Kenntnisse  der  Verhältnisse  und  die  Objektivität ¬
  des  Urtheils  vorhanden  sind,  welche  unerläßliche  Voraussetzungen
für  die  angestrebten  Erfolge  bilden.  Die  Mängel  des  Akkordsystems
wie  es  mitunter  thatsächlich  besteht,  bestehen  nicht  darin,  daß  es  die
genannten  Wirkungen  ausübt,  sondern  daß  es  diese  Wirkungen  unvollkommen ¬
  ausübt.  Würde  der  einzelne  Arbeiter  einen  größeren  Einfluß
auf  den  Lohnvertrag  auszuüben  in  der  Lage  sein,  oder  würde  besser  noch
die  Vertretung  der  Arbeiterschaft  mit  den  Vertretern  der  Arbeitgeber  den
Lohnvertrag  zu  vereinbaren  haben,  so  würde  bei  den  Akkordlöhnen  die
Mehrleistung  mehr  zum  Ausdrucke  kommen,  als  dies  mitunter  geschieht.
Solche  zum  Theil  mit  allgemeinen  Zuständen  zusammenhängende  Mängel
kommen  aber  in  unserem  Untersuchungsgebiete  weniger  zur  Wirkung,
weil  die  absolute  Größe  der  Löhne,  wie  aus  dem  folgenden  Abschnitte
ersichtlich  sein  wird,  im  Allgemeinen  wenigstens  für  die  Männer,  eine
ziemlich  hohe  ist.
Gruppenakkorde  sind  in  solchen  Industrieen  eingeführt,
welchen  die  Leistung  des  einzelnen  Arbeiters  bei  gewissen  Arten  von  Arbeiten ¬
  sich  nicht  feststellen  läßt,  bei  denen  man  aber  doch  aus  sonstigen
Gründen  auf  die  Ausführung  der  Arbeit  im  Akkord  nicht  verzichten  will.
Die  bemerkenswertheren  dieser  Gruppenakkorde  sind  die  folgenden:  Sie
bestehen  in  einer  Cementfabrik  für  die  Brenner  und  Müller.  Der
Verdienst  wird  dabei  für  jeden  Einzelnen  von  der  Fabrik  berechnet  und
ausbezahlt,  wobei  dem  Gruppenführer  ein  im  Voraus  festgesetzter  höherer
Antheil  zugewiesen  wird.  In  einer  großen  Thonwaarenfabrik  arbeiten ¬
  mit  Ausnahme  der  Töpfer  alle  anderen  Akkordarbeiter  in  Gruppen,
z.  B.  die  Thonzubereiter  in  einer  Gruppe  von  81  Mann.  Bei  allen
Gruppen  nehmen  die  Einzelnen  in  einer  gewissen  im  Voraus  festgesetzten
Abstufung  an  dem  Verdienste  Theil.  Nur  bei  den  Brennöfen  wird  der
ganze  Verdienst  den  Brennmeistern  ausgehändigt  und  es  ihnen  überlassen
die  anderen  Arbeiter  auszuzahlen.  Der  Versuch  einer  Festsetzung  der
Antheile  der  Brennmeister  durch  die  Fabrik  hatte  sofort  eine  Minderproduktion ¬
  zur  Folge,  deren  Ursache,  weil  vermuthlich  in  der  Nichtbenützung ¬
  kleiner  Vortheile  liegend,  nicht  aufgeklärt  werden  konnte;  er
mußte  daher  aufgegeben  werden.  In  einer  Spiegelmanufaktur
kommen  Gruppenakkorde  in  allen  Abtheilungen  nach  Gutfinden  der  Betriebsleiter ¬
  vor,  wobei  dann  der  im  Uebrigen  für  jeden  Arbeiter  nach
seiner  Tüchtigkeit  festgesetzte  Lohn  als  Basis  für  die  Vertheilung  des
Verdienstes  der  Gruppenakkorde  dient.  Wo  in  Maschinenfabriken
            
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