Volltext : Mohl, Moritz von: Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit

Vorwort.
Der  Gesetz=Entwurf,  von  welchem  es  sich  hier  handelt,  und  noch
mehr  die  demselben  beigedruckten  Motive  desselben,  würden,  wenn  sie
zur  Verwirklichung  gelangen  sollten,  nach  der  Ansicht  des  Unterzeichneten
für  die  deutschen  Staaten  eine  solche  Mediatisirung  auf  einem  der  allerwichtigsten ¬
  Gebiete  ihrer  Hoheitsrechte,  und  für  die  meisten  Mittel-  und
größeren  Staaten  Deutschlands  einen  solchen  finanziellen  Ruin  und  so
große  volkswirthschaftliche  und  sittliche  Nachtheile  zur  Folge  haben,  daß
der  Unterzeichnete  es  für  heilige  Pflicht  erachtet  hat,  die  unrichtigen
Anschauungen,  welche  diesem  Entwurfe  und  seinen  Motiven  zu  Grunde
liegen,  und  ihre  verderbliche  Tragweite  nachzuweisen.
Er  erlaubt  sich,  diese  Erörterung  der  hohen  staatsmännischen  Würdigung ¬
  der  maßgebenden  Autoritäten  in  Berlin  und  in  den  anderen
deutschen  Hauptstädten  ehrerbietigst  zu  unterbreiten,  und  glaubt,  der
Hoffnung  sich  hingeben  zu  dürfen,  daß  eine  eingehende  Prüfung  des
Entwurfs  und  seiner  Motive  unmöglich  zu  einer  Billigung  derselben
führen  könne.
Da  nach  seiner  Ansicht  ein  Entwurf  und  Motive,  welche  von  so
verfehlten  Grundfätzen  ausgehen,  nicht  zur  Grundlage  einer  gesetzgeberischen ¬
  Vorlage  und  nicht  zu  bloser  Amendirung,  sondern  zur  Ablehnung ¬
  sich  eignen,  so  hat  der  Unterzeichnete  sich  im  Wesentlichen  auf
einen  Beitrag  zu  ihrer  staatsrechtlichen,  finanziellen  und  wirthschaftlichen
Erörterung  beschränkt  und  einen  großen  Theil  des  technischen  Details
unbesprochen  gelassen,  an  dessen  sachkundiger  Begutachtung  von  zuständigsten ¬
  fachmännischen  Seiten  wohl  ohnehin  nicht  zu  zweifeln  sein  dürfte.
Stuttgart,  Juli  1874.
Moriz  Mohl.
            
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