kleine in grossen Gebürgen schnell abfallende Bäͤche treiben mit ihrem ungezwungenen natürlichen Lauff
an perpendicularen Wellen und daran formirten getrieben Muschell=Räder horizontaliter um / dergleichen =
auch in Franckreich in den Gebürgen von Provence, wie auch in der Türckey sonderlich in Ungarn =
zu finden sind. Sonsten muß bey allen andern Arten von Mühlen der Bach oder Strohm
durch quer uͤber vorgelegte Daͤmme geschwellet oder gestauchet werden / damit das Wasser darüber einen =
schnellen Abfall auf die Mühl=Räder bekomme. Damit wird nun gehindert / daß auf eben dem
Bach oder Strohm keine Schiffe frey hin und wieder gehen können. Derowegen / weil in Holland die
Mühlen in genugsamer Anzahl mit Wind getrieben werden kunten / und die Schiffahrt daselbst die
vornehmste Stütze des Staats / und der Unterhaltung deß Volcks ist / so hat man daselbst die Flüsse meistens =
nur vor die Schiffahrt allein frey behalten. Hingegen in Teutschland kan man die Wind=Mühlen
in solcher Menge bey weiten nicht bekommen; (gar wenig Provintzen an der Nord=See ausgenommen) =
daß man dadurch die Nothdurfft eben so wohl beyschaffen könte / wie bißher durch die WasserMühlen =
geschehen. Hingegen mangelt es an anderer Nahrung darinnen nicht / dadurch die Jnnwohner =
sonder Schiffarth / obschon weniger reichlich erhalten werden koͤnnen; so möͤchte sich auch darinnen
so frequente Gelegenheit zum Handel durch die Schiffarth nicht finden wie in Holland; Darum man
billich die Wasser=Mühlen behält. Jndessen ist doch nicht zu läugnen / daß manches Land darinnen in
viel gröͤsser Auffnehmen köͤnte gebracht werden / wenn man die Krümmen der Flüsse um ein ziemliches
abschaffen / und mit den Schiffen über die Mühlen=Dämme aus dem höhern in das niedrige Wasser
bequem hinunter kommen koͤnte