Volltext : ¬Die ländliche Verfassung in der Provinz Pommern (20)

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worden,
so  daß  1846  namentlich  im  Randowschen  Kreise  611,  im
Greiffenhagenschen  797,  und  im  Naugardschen  Kreise  925  Maulbeerbäume ¬
  vorhanden  waren.  Im  nördlichen  Theile  des  Reg.-Bezirkes
Stettin  erscheint  das  Klima  für  diese  Cultur  nicht  geeignet*).
Desto  ausgiebiger  blühte  dagegen  längst  der  Obstbau,  von  dessen
Ertrage  jährlich  nach  Deckung  des  eigenen  starken  Verbrauches  ein
großer  Ueberschuß  als  frisches  und  getrocknetes  Obst  in  den  auswärtigen ¬
  Handel,  vornehmlich  nach  Rußland  gebracht  wurde.  Mikrälius,
der  um  1639  schrieb,  hebt  das  Gartenwesen  und  die  Obstzucht  lobend
hervor,  und  zählt  26  Arten  Aepfel  und  17  Arten  Birnen  auf,  die
im  Lande  gebaut  würden.  Die  Kammer=Tabellen  geben  1,292,670
Stück  Obstbäume  an,  deren  Ertrag  Krug  auf  durchschnittlich  148,118
Thlr.  berechnet.  Gegenwärtig  liefert  den  größten  Theil  des  Productes ¬
  die  Umgegend  von  Stettin,  wo  sich  namentlich  die  Oderdörfer
durch  die  Anlage  großer  Obstgärten  auszeichnen.  Hier -
  mag  denn
auch  der  Erzählung  des  Mikrälius  Erwähnung  gethan  werden,  daß
in  früherer  Zeit  bei  Stettin  längs  der  Oder  bis  Garz  viele  Weinberge
angelegt  gewesen  seien,  wiewohl  man  dermalen  nur  noch  zwei  dergleichen, ¬
  den  einen  zu  Frauendorf,  den  andern  zu  Gotzlow  finde.
Diese  haben  jedoch  oftmals  dem  Fürsten  so  reichlich  zugetragen,  daß
er  daraus  an  70  Spitzlinge  eines  ziemlich  guten  blanken  und  rothen
Weines,  der  nicht  selten  für  einen  guten  ausländischen  Wein  getrunken ¬
  worden,  habe  einsammeln  können.  Ein  kleiner  Weinberg
beim  Schlosse  zu  Penkun  habe  an  18  Spitzlinge  getragen.  —  Dies
erinnert  an  den  Weinbau,  der  zur  Ordenszeit  im  14.  und  15.  Jahrhundert ¬
  an  der  Weichsel  in  der  Provinz  Preußen  betrieben  ist,  als
dessen  Erzeugniß  der  Hochmeister  dem  Papste  ein  Faß  Weines  zum
Geschenk  übersandte  —  eine  Thatsache,  die  zum  Beweise  dafür  ausgebeutet ¬
  wird,  daß  im  Mittelalter  das  Klima  im  norddeutschen
***
Tieflande  ein  milderes  gewesen  sei  ).  (Beitr.  z.  Kunde  Preußens,
B.  I.  Heft  2.  S.  157.)
*)  Vgl.  Annalen  der  Landwirthschaft  5.  Ihrg.  S.  339.
**)  Die  ersten  Reben  kamen  nach  Giesebrecht  (Wendische  Geschichten  Th.  I.
S.  18)  nach  Pommern  im  Jahre  1128.  Es  war  Fränkisches  Gewächs.  Der  erste
Weinberg,  dessen  gegen  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  urkundlich  gedacht  wird,  lag
in  Grabow  bei  Stettin.  —  Wenn  man  annehmen  wollte,  daß  vor  Zeiten  die  Ostseeküste ¬
  mit  hohem  Walde  bestanden  gewesen  sei,  vor  welchem  die  kalten  Seewinde
            
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