Inhaltsverzeichnis : Heuchler, Eduard: Die Bergknappen in ihren Berufs- und Familienleben

Ein  Besuch
in  Freibergs  Berg-  und  Hüttenwerken
gehört  unzweifelhaft  zu  den  interessantesten  und  belehrendsten  Unterhaltungen  im
zwar  schon  ganz  nahe  die  Metropole  des  sächsischen  Bergbaues,  wo  bereits  seit
Gebiete  der  grossartigen  Technik,  denn  wir  finden  hier  auf  einem  kleinen  Raume
700  Jahren  der  Boden  ununterbrochen  unterwühlt  wird  und  bekannt  in  allen
alle  Arbeiten  vereinigt,  welche  zur  Gewinnung  des  Silbers  und  den  mit  ihm  im
Welttheilen,  welche  ihre  Söhne  hierher  senden,  um  die  Wissenschaften  des  Bergbaues
Schoosse  der  Erde  vorkommenden  Metallen  nöthig  werden.
und  seine  praktischen  Erfahrungen  in  ihre  Heimath  zu  verpflanzen.
Die  meisten  Fremden,  welche  Freiberg  des  Bergbaues  wegen  besuchen,  kommen
Versorgen  wir  uns  in  Freiberg  mit  der  leicht  zu  erlangenden  Erlaubniss  zur
in  der  Regel  von  Dresden  her  und  haben  daher,  so  lange  die  Eisenbahnverbindung
Besichtigung  sämmtlicher  Einrichtungen  und  Werke  und  treten  wir  mit  einem
von  Tharandt  bis  Freiberg  noch  mangelt,  durch  ein  langsames  Fortkommen  Muse
guten  Führer  versehen  in  bergmännischer  Kleidung  den  Weg  zur  Grube  an.
genug,  den  Eindruck  der  bergmännischen  Gegend  in  sich  aufzunehmen,  die  sich,
Da  es  eben  früher  Morgen  ist,  wo  die  Bergleute  zur  Frühschicht  auf  den
wenn  man  bei  Naundorf  aus  dem  Tharandter  Walde  heraustritt,  vor  den  Augen  nach
Gruben  sich  versammeln,  und  die  Lichter  in  ihren  Wohnungen  noch  nicht  von
Abend  hin  ausbreitet.  Es  sind  dies  grosse  wellenförmige,  jetzt  meist  kahle,  doch  mit
der  aufgehenden  Sonne  verdrängt  sind,  so  können  wir  uns  nicht  versagen,  einen
fruchtbaren  Feldern  bedeckte  Gebirgskämme,  welche  sich  nach  Ost  und  West
lauschenden  Blick  in  dieselben  zu  werfen.  Blatt  1.
Blatt  1.
abdachen  und  die  durch  die  Thäler  der  Bobritzsch,  der  Freiberger  Mulde  und  der
Ein  Bergmann  nimmt  soeben  Abschied  von  seiner  Frau,  die  unentbehrliche  Der  Aosehen
Strigis  getrennt  sind.
Tabackspfeife  im  Munde,  nachdem  die  Morgensuppe  oder  der  dünne  Kaffee  bereits
In  der  ganzen  Umgegend  der  Stadt  Freiberg  wohnen  gegen  Achttausend
verzehrt  worden  ist.  Wie  aber  alles  in  der  Welt  zur  Gewohnheit  wird,  so  auch
Bergleute!  —  es  ist  daher  erklärlich,  dass  man  schon  in  weiter  Entfernung  der
dieser  Abschied,  welcher  von  seiner  Seite  mit  einem  „Na,  so  leb’  wohl!“  und  von
Stadt  von  begegnenden  Bergleuten  mit  Glück  auf!  —  begrüsst  wird.  Da  man
ihrer  Seite  mit  dem  Wunsche  „komm  gesund  wieder!“  abgethan  ist.  Dass  er  vielleicht
nun  in  den  Märchenbüchern  der  Kinder  die  Bergleute  immer  als  kleine  ungestaltete
von  seiner  Arbeit  nicht  lebend  wiederkehren  könnte,  daran  wird  nur  dann  einmal
Gnomen  geschildert  und  abgebildet  sieht,  so  erstaunt  man,  statt  solcher  nicht  nur
mit  Sorge  gedacht,  wenn  gerade  ein  solcher  Fall  sich  kurz  vorher  ereignet  hat.
gewöhnliche,  sondern  oft  recht  stattliche  Menschen  zu  erblicken.  Ihr  Gang  hat
Der  ältere  Junge,  auch  schon  Bergmann,  wird,  wenn  sein  Frühstück  ebenfalls
allerdings  etwas  schwerfälliges  und  schleppendes  und  begegnet  man  ihnen  zur
beendet  ist,  dem  Vater  nachfolgen.  Durch  die  geöffnete  Kammerthür  sehen  wir  die
Nachtzeit,  wo  sie  gewöhnlich  mit  den  Grubenlichtern  ihren  Weg  beleuchten,  sc
Kleinen  noch  ruhig  schlafen,  und  findet  die  Mutter  bei  gewöhnlich  zahlreicher
gewähren  diese  ernsten  grauen  Gestalten  einen  geisterhaften  Anblick.
Familie  Arbeit  genug,  die  frühen  Tagesstunden  nutzbar  anzuwenden,  wie  uns  das
Je  näher  man  Freiberg  kommt,  desto  kahler  wird  von  dieser  Seite  die  Gegend,
Bild  im  Vordergrunde  zeigt.
da  man  hier  nach  allen  Richtungen  hin  die  sogenannten  Berghalden  gleich  riesigen
Doch  eilen  wir  die  noch  etwas  entfernt  liegende  Grube  zu  erreichen,  denn
Maulwurfshaufen  erblickt,  auf  welchen  hier  und  da  wie  ein  Vulkan  die  hohen
von  allen  Seiten  sehen  wir  schon  die  Bergknappen  theils  einzeln,  theils  gruppenweise
Essen  der  Dampfmaschinen  ihre  schwarzen  Rauchwolken  hervorwirbeln  und  der
Blatt  2.
dem  Huthause  der  Grube  zuströmen.  Blatt  2.
Der  Zechenweg.
Klang  der  Wächterglöckchen  von  den  Kunstgezeugen  sich  melancholisch  vernehmen
In  der  Truppe  vor  uns  sehen  wir  zugleich  ein  Bild  der  Sparsamkeit  und
lässt.  Hat  man  den  sogenannten  Hammerberg  überschritten,  so  liegt  vor  uns  und
Abhärtung,  indem  zur  Schonung  der  Stiefelsohlen  der  oft  rauhe  steinige  Weg
            
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