Ein Besuch
in Freibergs Berg- und Hüttenwerken
gehört unzweifelhaft zu den interessantesten und belehrendsten Unterhaltungen im
zwar schon ganz nahe die Metropole des sächsischen Bergbaues, wo bereits seit
Gebiete der grossartigen Technik, denn wir finden hier auf einem kleinen Raume
700 Jahren der Boden ununterbrochen unterwühlt wird und bekannt in allen
alle Arbeiten vereinigt, welche zur Gewinnung des Silbers und den mit ihm im
Welttheilen, welche ihre Söhne hierher senden, um die Wissenschaften des Bergbaues
Schoosse der Erde vorkommenden Metallen nöthig werden.
und seine praktischen Erfahrungen in ihre Heimath zu verpflanzen.
Die meisten Fremden, welche Freiberg des Bergbaues wegen besuchen, kommen
Versorgen wir uns in Freiberg mit der leicht zu erlangenden Erlaubniss zur
in der Regel von Dresden her und haben daher, so lange die Eisenbahnverbindung
Besichtigung sämmtlicher Einrichtungen und Werke und treten wir mit einem
von Tharandt bis Freiberg noch mangelt, durch ein langsames Fortkommen Muse
guten Führer versehen in bergmännischer Kleidung den Weg zur Grube an.
genug, den Eindruck der bergmännischen Gegend in sich aufzunehmen, die sich,
Da es eben früher Morgen ist, wo die Bergleute zur Frühschicht auf den
wenn man bei Naundorf aus dem Tharandter Walde heraustritt, vor den Augen nach
Gruben sich versammeln, und die Lichter in ihren Wohnungen noch nicht von
Abend hin ausbreitet. Es sind dies grosse wellenförmige, jetzt meist kahle, doch mit
der aufgehenden Sonne verdrängt sind, so können wir uns nicht versagen, einen
fruchtbaren Feldern bedeckte Gebirgskämme, welche sich nach Ost und West
lauschenden Blick in dieselben zu werfen. Blatt 1.
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abdachen und die durch die Thäler der Bobritzsch, der Freiberger Mulde und der
Ein Bergmann nimmt soeben Abschied von seiner Frau, die unentbehrliche Der Aosehen
Strigis getrennt sind.
Tabackspfeife im Munde, nachdem die Morgensuppe oder der dünne Kaffee bereits
In der ganzen Umgegend der Stadt Freiberg wohnen gegen Achttausend
verzehrt worden ist. Wie aber alles in der Welt zur Gewohnheit wird, so auch
Bergleute! — es ist daher erklärlich, dass man schon in weiter Entfernung der
dieser Abschied, welcher von seiner Seite mit einem „Na, so leb’ wohl!“ und von
Stadt von begegnenden Bergleuten mit Glück auf! — begrüsst wird. Da man
ihrer Seite mit dem Wunsche „komm gesund wieder!“ abgethan ist. Dass er vielleicht
nun in den Märchenbüchern der Kinder die Bergleute immer als kleine ungestaltete
von seiner Arbeit nicht lebend wiederkehren könnte, daran wird nur dann einmal
Gnomen geschildert und abgebildet sieht, so erstaunt man, statt solcher nicht nur
mit Sorge gedacht, wenn gerade ein solcher Fall sich kurz vorher ereignet hat.
gewöhnliche, sondern oft recht stattliche Menschen zu erblicken. Ihr Gang hat
Der ältere Junge, auch schon Bergmann, wird, wenn sein Frühstück ebenfalls
allerdings etwas schwerfälliges und schleppendes und begegnet man ihnen zur
beendet ist, dem Vater nachfolgen. Durch die geöffnete Kammerthür sehen wir die
Nachtzeit, wo sie gewöhnlich mit den Grubenlichtern ihren Weg beleuchten, sc
Kleinen noch ruhig schlafen, und findet die Mutter bei gewöhnlich zahlreicher
gewähren diese ernsten grauen Gestalten einen geisterhaften Anblick.
Familie Arbeit genug, die frühen Tagesstunden nutzbar anzuwenden, wie uns das
Je näher man Freiberg kommt, desto kahler wird von dieser Seite die Gegend,
Bild im Vordergrunde zeigt.
da man hier nach allen Richtungen hin die sogenannten Berghalden gleich riesigen
Doch eilen wir die noch etwas entfernt liegende Grube zu erreichen, denn
Maulwurfshaufen erblickt, auf welchen hier und da wie ein Vulkan die hohen
von allen Seiten sehen wir schon die Bergknappen theils einzeln, theils gruppenweise
Essen der Dampfmaschinen ihre schwarzen Rauchwolken hervorwirbeln und der
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dem Huthause der Grube zuströmen. Blatt 2.
Der Zechenweg.
Klang der Wächterglöckchen von den Kunstgezeugen sich melancholisch vernehmen
In der Truppe vor uns sehen wir zugleich ein Bild der Sparsamkeit und
lässt. Hat man den sogenannten Hammerberg überschritten, so liegt vor uns und
Abhärtung, indem zur Schonung der Stiefelsohlen der oft rauhe steinige Weg