Lib. 11. Tit. III.
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die Ausnahme machen, wenn er aus bloßem Neid, mir zum Trotz ein Gebäude aufführen wolle,
das ihm gar nicht nützlich wäre (**). Will ich also Fenster haben, die mir mein Nachbar nicht verbauen ¬
darf, so muß ich mir eine Servitut geben lassen.
Wie ist aber servitus luminum und ne luminibus officiatur, verschieden? Man sagt, wenn
ich in meine eigene Wand Fenster machen will, so muß ich mir servitutem ne luminibus officiatur ¬
geben lassen; will ich hingegen in eines Andern oder in einer gemeinschaftlichen Wand Fenster ¬
anlegen, so habe ich servitutem luminum nöthig. Und dies ist wohl als die gemeine und in
der Anwendung herrschende Meynung anzusehen. Andere sagen: wer schon Fenster in der Wand
hat, der laͤßt sich servitutem, ne luminibus officiatur geben; wer aber dergleichen erst machen
will, sucht servitutem luminum zu erhalten. Noch Andere glauben, servitus luminum gebe
nur ein Recht auf das nothdürftige Licht; wer hingegen servitutem ne luminibus officiatur
hätte, der könnte verlangen, daß ihm der Nachbar auch nicht das mindeste von seinem Licht benehme. ¬
Auf die ganze Sache kommt wenig an (**). Uebrigens ist es an vielen Orten in Deutschland ¬
nicht erlaubt, daß ich in meine eigene Wand Fenster mache, durch welche ich in des Nachbars ¬
Hof oder Garten sehen kann (?
(2) Arg. L. 8. §. 5. D. si serv. vind. iunct. L. 2. pr. et §. 19. D. ne quid in loc. publ. et. L. 1.
ne quid in loc. sacr. Donell. lib. 11. commentar. cap. 5. Meg. ad ius Lub. part. 5. tit. 12.
art. 13. num. 8. Strug. de aedif. privat. §. 31. Pufendorf tom. 1. obs. 196. Cramer Rebenst. =
part. 35. n. 12, Koch de iure vicin. pag. 209. Leucht de iure fenestrar. cap. 2. §. 8.
Walch controvers. p. 171. edit. III. Anderer Meynung sind: Cuiac. lib. 1. obs. cap. 51. Duarenus -
in disp. anniversar. lib. 2. cap. 35. Sie berufen sich auf L. 4. de serv. praed. urb. wo
Paullus sagt: luminum servitute constituta, id adquisitum videtur, ut vicinus lumina nostra
excipiat. Dieß kann aber soviel heißen, daß der Nachbar meine Fenster leide und nicht verdunkle;
und muß es heißen, da es eine ausgemachte Regel ist: in suo quilibet facere potest, quod libet,
modo nihil immittat in alienum. Vinn. ad §. 1. h. t. n. 8.
«2) Thomasii diss. non ens actionis forensis contra aedificantem ex aemulatione, in collect. diss.
vol. 2. n. 61. Leyser sp. 107. med. 5.
(3) Stryk us. mod. tit. de serv. pr. urb. §. ult. Koch de iure vicin. p. 446. et p. 476. Cramer
opusc. tom. 2. p. 207. sqq. Io. Frid. Weidler diss. de usu remedii contra aedificantem ex
aemulatione §. 11. sqq. Das Gegentheil behaupten Thomasius in diss. non ens actionis forensis ¬
contra aedificantem ad aemulationem, in diss. collect. tom. 2. num. 61. Georg Schulz diss.
de actione contra aedificantem ex aemulatione. Regiom. 1712. und Andere.
(4) Indessen ist es eine Cautel für den, der sich die servitutem luminum geben läßt, daß er sich ausdrücklich =
ausbedinge, es solle ihm nicht das mindeste vom Licht benommen werden. Wernher sel. obs. for.
tom. 5. part. 1. obs. 7. —
Neuerer Zeit ist das eigentlich Römische Verhältniß dieser Servituten
wieder sehr in Untersuchung gezogen. Feuerbach's Erklärung in den Civilist. Versuchen 1. Th. n. 1.
daß servitus luminum auf Erhaltung des Schattens abzwecke, den ein nachbarliches Gebäude giebt,
indem dieses das mir lästige Licht auffangen muß (lumina nostra excipere); dahingegen servitus ne
luminibus officiatur ein vollkommenes Recht auf das Licht gewähre, was ein Gebäude schon wirklich
hat, und der Nachbar solches durch Nichts wieder schwächen durfe, und daß also die erstere durch Schattendienstbarkeit, ¬
leztere aber durch Lichtdienstbarkeit zu übersetzen sey, fand anfänglich Beyfall. ¬
Dabelow über die servitus luminum der Römer gegen H. P. Feuerbach, Halle u. Leipz. 1804.
vertheidigte die bisher gewöhnliche Vorstellung. Ausführlicher wird von diesem Streite in Glück's
Pandekten Th. 10. §. 670. p. 97. geredet; dem aber jezt noch E. F. D. Moser in d. Beyträgen zu der
Römischen Gesetzkunde und Rechtsgeschichte, Stuttg. 1815. Nr. 1. beyzufügen ist, welcher in servitute luminum ¬
das Recht zu finden glaubt, vermoge dessen der Nachbar gehalten ist, lumina nostra, d. i. das
von unserm Grundstück aufgefangene und auf seine Fenster zurückgeworfene Sonuenlicht, welches den
Augen beschwerlich seyn kann, zu leiden, ohne verlangen zu dürfen, daß die Wand unsers Grundstückes
welche das Sonnenlicht reflectirt, niedergerissen oder mit einer dunklen Tünche bekleidet werde; servitus
ne luminibus officiatur sey dagegen das Recht, jede Unternehmung des Nachbars zu hindern, wodurch
das von seinem Gebäude reflectirte Sonnenlicht uns treffen und blenden würde. Dies sey der eigentliche ¬
Sinn des Ausdrucks, luminibus officere, nemlich: durch das Licht schaden, vergl. L. 17. D. de
servitut. praed. urb. Im Ganzen möchte doch wohl unter allen angeführten Meynungen die bisber ge¬