II. Korrespondenz.
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Wenn ich nicht umgehend Nachricht von Ihnen erhalte, so nötigen Sie
mich, in den Protesten zu erklären, dass ich vom Aussteller keine Deckung
erlangen konnte, treiben Sie mich daher nicht zum Aussersten, meine Geduld
ist ohnehin zu Ende.
Ergebenst
F. Brand.
XVI. Bewerbungsschreiben (Dienstgesuche) und Antworten.
Dieselben sind in der natürlichsten und ungezwungensten Form, unter Vermeidung -
nichtssagender, abgeschmackter Worte und Redensarten abzufassen, da
hauptsächlich der Stil des Bewerbers, die Art uffd Weise, wie er sein Offert
vorbringt, empfiehlt. Der Bittsteller hat namentlich anzugeben, wo und in welcher
Eigenschaft er bisher serviert, wo er gelernt hat und was er zu leisten vermag; -
dabei ist Weitschweifigkeit und Selbstlob zu vermeiden, denn beides wird
den Leser des Briefes eher ungünstig als günstig stimmen. Es versteht sich
von selbst, dass alles, was man von sich sagt, vollkommen wahr sein muss. Die
Zeugnisse (Atteste), auf die man sich berufen kann, füge man in Abschrift und
nur wenn es gefordert wird, in Original bei, damit dasjenige Haus, an welches
das Gesuch gerichtet ist, nicht an der Wahrheit dessen zweifeln kann, was der
Bewerber niedergeschrieben hat.
Nro. 1.
Herren Schroeder & Komp. in Bremen.
Stuttgart, den 1. August 18 ..
Ihre Annonce in der Frankfurter Handelszeitung veranlasst mich, als Bewerber ¬
um die bei Ihnen zu besetzende Kontoristenstelle aufzutreten.
Wenngleich ich alle Ursache habe, mit meiner dermaligen Stellung zufrieden
zu sein, so kann ich doch den schon längere Zeit gehegten Wunsch nicht unterdrücken, -
auf einem grösseren Handelsplatze ein Unterkommen zu finden. Gestatten ¬
Sie mir daher, die sich darbietende Gelegenheit zu ergreifen, mich Ihnen
zur Besetzung des in Rede stehenden Postens anzutragen, da ich mich, ohne
die Grenze der Bescheidenheit überschreiten zu wollen, für fähig halte, denselben
entsprechend auszufüllen.
Umstehend füge ich Zeugniskopien bei, übrigens werden Ihnen meine dermaligen -
Prinzipale, die Herren Gebr. Stauch, über meine Leistungen und über
mein sittliches Betragen bereitwillig nähere Auskunft geben. Erlauben Sie mir
hier noch beizufügen, dass ich, falls Sie mich zu engagieren willens sein sollten,
die gleiche Treue und Gewissenhaftigkeit bethätigen werde, deren Anerkennung
mir seither in der wohlthuendsten Weise zu teil geworden ist.
In vorzüglicher Hochachtung beharrend
Berthold Cullmann.
Antwort auf Nro. 1.
Herrn Berthold Cullmann in Stuttgart.
Bremen, den 12. August 18.
Sie haben sich in Ihrem Briefe vom 1. d. M. um die bei uns vakante
Kommisstelle beworben, und da die Auskunft, welche uns die Herren Gebrüder
Stauch über Sie gegeben haben, eine sehr günstige ist, so haben wir uns entschlossen, ¬
Sie unter den zahlreichen Aspiranten zu bevorzugen.
Wir haben durchaus zuverlässige Persönlichkeiten in unserem Geschäfte
nötig, die auch während unserer Abwesenheit streng auf unser Interesse sehen.
Sie werden sowohl im Magazin als auf dem Kontor Beschäftigung erhalten, und
je nachdem Sie sich dazu eignen und Neigung zeigen, würden wir Ihnen auch
kleine Geschäftsreisen übertragen, nachdem Sie sich mit unserem Geschäfte genau
vertraut gemacht haben werden.