Objekt : Kreuser, Martin: ¬Das katholische Mädchen im Spiegel biblischer Charakterbilder

Judith.
Das  Mädchen  und  die  Welt.
roße  Not  in  Bethulia.  Hunderttausende  von  Assyrern
lagern  wie  ein  fester  Ring  um  die  Stadt.  Die  Wasserquelle, -
  die  in  die  Stadt  floß,  war  schon  abgeleitet.  In  der
Stadt  nur  noch  Wasser  für  einen  Tag.  Große  Volkshaufen
stehen  vor  Ozias',  des  Fürsten,  Gezelt.  Das  Gespenst  des
Durstes  steht  in  der  Stadt;  sein  Schwert  ist  mörderischer
als  der  Hunger.  Man  schreit  und  jammert  um  des  Fürsten
Haus.  Sie  wollen  die  Tore  öffnen  und  sich  dem  Feinde
preisgeben.  Weinen  und  Heulen  hallt  durch  die  Stadt,  viel
Stunden  lang.  Das  Volk  sieht  Gottes  Geißel  auf  sich  niederkommen. -
  Sie  bekennen  ihre  Schuld,  sie  rufen  um  Erbarmen.
Ozias,  der  Fürst,  schaut,  mit  Tränen  überronnen,  auf  sein
Volk.  Noch  fünf  Tage  will  er  aushalten  und  Barmherzigkeit
vom  Herrn  erwarten.  Dann  soll  der  Feind  Gottes  Volk
gefangennehmen,  wenn  nicht  Hilfe  gekommen.
Abseits  lag  ein  stilles  Haus.  Im  obern  Teil  ein  bescheidenes -
  Zimmer.  Nie  drang  der  Trubel  des  Marktes  in
das  stille  Gemach,  wo  Judith  wohnte.  Judith,  mit  den
schönen  Zügen,  dem  frommen,  demütigen  Blick,  der  hohen
Gestalt.  Verschlossen  wohnte  sie  mit  ihren  Mägden,  obgleich
sie,  die  reiche,  schöne  Tochter  Israels,  einen  Glanzpunkt  in
der  Gesellschaft  bilden  könnte.  Ein  Bußgewand  trug  sie
über  ihren  Lenden,  sie,  der  die  Genüsse  des  Lebens  zu  Gebote -
  standen.  Sehr  nüchtern  und  einfach  war  ihre  Mahlzeit, -
  so  daß  die  heilige  Schrift  sagt:  Sie  fastete  alle  Tage
ihres  Lebens,  ausgenommen  die  Sabbate,  die  Neumonde  und
die  Festtage  des  Hauses  Israel.  Landgüter  voll  Herden
von  Rindern  und  Schafen  hatte  sie,  und  doch  dieses  ent¬Digtalsierungsvortage. -

Erzbischöfliche  Diözes
Max  Planck  nstitute  for  luman  Developme
            
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