Sippe und Wergeid.
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Recht und einzelne holsteinische Rechtsquellen gestreift.* 1)
Allenthalben ist bisher in zusammenfassenden Darstellungen
jene Gruppe deutscher Rechtsquellen, welche die reichhal-
tigsten Aufschlüsse gewährt, unbeachtet geblieben, nämlich
die Quellen von Holland, Seeland, Flandern, Brabant, Henne-
gau und Namur.
Nach dieser Richtung hin eine Ergänzung darzubieten,
ist die Aufgabe der folgenden Ausführungen. Doch sollen
auch die übrigen niederdeutschen Rechtsdenkmäler heran-
gezogen werden, weil für eine Nachlese noch manches zu thun
übrig bleibt, weil sie durch das bisher unbeachtete Material
neue Beleuchtung erhalten und weil manche Fragen nur
durch eine zusammenfassende Erörterung der ganzen Lehre
ihrer richtigen Lösung näher gebracht werden können.
Wo der grundsätzliche Zusammenhang zwischen Wergeid
und Fehde consequent festgehalten wird, werden Wergeid
und Erbschaft streng unterschieden. Die Erbschaftsgläubiger
können wegen der Schulden des Erschlagenen nicht etwa das
Wergeid in Anspruch nehmen. Jüngere Quellen, so die
Costumen von Mecheln von 1535,2) die Antwerpens Costumen
von 1570,3) die Coutume von Cambray von 15744) heben
diesen Rechtssatz ausdrücklich hervor. Auf derselben Auf-
fassung beruht es, wenn das Recht von Namur, welches die
Erbschaft des Bastards dem Landesherrn zuspricht, nichts-
destoweniger seinem Sohne den Anspruch auf das Wergeid
gibt, weil dieser Anspruch nicht zum Vermögen des Erschla-
genen gehört.5) Die Unterscheidung von Wergeid und Erb-
*) Seite 26, insbes. Note 26. — 2 *) Coutumes de la ville de Malines
ed. G. de Longö, 1879, p. 32, II, 36: item nyemant en is gebenden
des overleden sculden te betalene wt sake van der penningen die hy
vander zoeninge ontfanget. — 8) Coutumes d’Anvers ed. G. de Longe,
I, 516: een moetzoendere en is nyet gehouden metten zoenpenningen
de schulden van den dooden te betaelene dan aleene dmeester geldt
vanden chirurgyn ende medecyn. — *) Bourdot de Richebourg, Coutu-
mier general II, 293, XII, 16: les deniers pro venans de la paix d’un
homicide ne sont sujects ä payer les debtes de l’occis et apartiennent
la moictie ä la vefve et l’autre moictie aux plus prochains de rhomi-
die. — B) Cout de Namur ed. Grandgagnage II, 123, Urtheil von 1489:
entendu que ledit mort n’a riens aux amendes qui venront de la paix
de sa mort.