Volltext : Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft und Gesetzgebung des Auslandes (Bd. 24 (1852))

Mnrquardsen, die Grenze« der Regierungslhätigkeit. 427
Aber auch schon für die nächsten Interessen eines
übervölkerten Staats ist es nöthig, dass der Staat selbst die
Anpflanzung der neuen Heimath seiner Angehörigen in die
Hand nehme. Es hat aber die Kolonisation ihre höhere Auf-
gabe und diese wird zu oft ausser Acht gelassen. Man
redet in der Regel nur von dem Wünschenswerthen der
Emigration, weil sie den gedrückten Arbeitsmarkt er-
leichtert und den leeren füllt. Es handelt sich dabei aber
wesentlich um die Frage der Produktion, um die beste Be-
nützung der produktiven Kräfte des Erdballs. Man nennt es
gute Wirthschaft, Produkte von da zu importiren, wo man
sie am Billigsten kaufen kann. Von der Räthlichkeit sie da
zu produziren, wo man sie am Billigsten produzirt, ist fast
keine Rede. Der Export von Arbeitern und Kapital aus
alten in neue Länder, von einem Platze, wo ihre Produk-
tionskraft geringer ist, zu einem andern, wo sie wächst,
vermehrt um so viel die Gesammtproduktion der Arbeits-
kraft und des Kapitals der Welt. Er vermehrt den Reich-
thum des alten und neuen Landes so sehr, dass die blos-
sen Kosten des Transports rasch wieder eingeholt sind. In
der Gegenwart ist Kolonisirung ohne Zweifel das beste
Unternehmen, worauf das Kapital eines alten und wohlha-
benden Landes gewandt werden kann.
Mill macht darauf aufmerksam, dass freiwillige Emi-
gration den Druck der Uebervölkerung im alten Lande sel-
ten mindert. Die Arbeiter, welche freiwillig auswandern,
sind nur höchst selten die ganz Armen. Sie nehmen so-
gar Kapital mit, was mehr Arbeiter als sie selbst beschäf-
tigte. Die Zahl solcher freiwillig Auswandernden ist auch
zu gering. Eine bedeutende Emigration von Arbeitskraft
ist nur möglich, wenn Andere als die Arbeiter selbst, die
Transportkosten bezahlen. Die Kapitalisten der Kolonie thun
es desshalb selten, weil die Arbeiter ihnen persönlich kei-
nen Gewinn gewähren, da sie sich bald auf herrenloses
Land werfen und auf eigne Hand leben. Die Unterstützun-
gen von Seiten der Gemeinden erschwert um so Viel die
Gemeindeumlagen, drückt den Arbeitslohn der Nachbleiben-
30"

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