fullscreen : Lehrbuch der allgemeinen Erziehungskunde im Auszuge (Th. 2)

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65.  u.  66.  §.  Und  von  dem  Übereilen  der  sittlichen
Bildung.
So  nachtheilig  das  Verspäten  der  sittlichen  Bildung
ist,  eben  so  schädlich  ist  das  Übereilen  derselben.  Die  zu
frühe  oder  übereilte  Bildung  beziehet  sich  nicht  auf  Sittlichkeit -
  im  allgemeinen,  sondern  auf  einzelnean  sich  sittlich -
  gute  Gesinnungen;  nicht  auf  gänzliche  Unthätigkeit -
  für  die  moralische  Bildung,  sondern  auf  einzelne
an  sich  zweckdienliche  Mittel,  in  so  fern  beyde  der  Individualität -
  des  zu  bildenden  Zöglinges  nicht  angemessen  sind.
Alle  Dinge  in  der  Natur  unterliegen  dem  Gesetze  der
stufenweisen,  stätigen  Entwicklung  ihrer  Anlagen.
Dieses  Gesetz  findet  sich  auch  bey  den  Anlagen  des  Begehrungsvermögens. -
  Der  Mensch  ist  daher  auf  den  verschiedenen -
  Stufen  seiner  Entwicklung  auch  verschiedener  Einwirkungen -
  empfänglich  und  verschiedener  Grade  der  Bildung  fähig. -
  Die  Natur  hat  die  Stufen  vorgezeichnet,  auf  welchen
der  Mensch  sich  zu  seiner  höchsten  Würde,  zur  Heiligkeit  des
Willens,  erheben  soll.  Man  lasse  Kinder  Kinder  seyn,  und
trachte  nur,  daß  sie  brave  Kinder  sind;  das  Mann  seyn
überlasse  man  spätern  Jahren.  Man  verschwede  die  Mittel -
  der  Bildung  nicht  zur  Unzeit.  Derjenige,  der  bey
Kindern  seine  Vorstellungen  und  Gründe  verschwendet,  der
wird  in  spätern  Jahren,  wo  die  Noth  am  größten  ist,  erschöpft, -
  und  nichts  mehr  zu  wirken  im  Stande  seyn.
67.  §.  Verschiedenheit  der  Cultur  bey  den  einzelnen -
  Individuen.
Der  Zweck  ist  bey  allen  Jndividuen  derselbe;  aber  der
Erzieher  kann  diesen  Zweck  nicht  bey  allen  auf  dieselbe  Art
und  durch  dieselben  Mittel  erreichen,  weil  die  äußere  und
innere  Individualität  verschieden  sind.  Da  diese  äußere -
  und  innere  Individualität  nicht  immer  dieselbe  ist;  so
zeiget  sich,  daß  auch  die  Behandlung  des  Zöglinges  in  verschiedenen -
  Zeitpuncten  verschieden  seyn  müsse.  Da¬Max-Planck-Institut -
  für  Bi
forschu
            
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