Interesse. §. 224.
345
Aestimation a) sich blos auf den Verkaufswerth des Objects, verum
rei pretium, richten; diese Behandlung tritt ein, wenn der Werth
entweder gar nicht als Gegenstand einer Forderung*), oder zwar
als solcher, aber ohne Voraussetzung eines erlittenen Schadens
vorkommt*). Wenn dagegen-b) der Werth in Folge eines Nachtheils, ¬
dessen Ersatz aus irgend einem Grund gefordert werden
kann, zu leisten ist, so geht die Aestimation auf den Werth des
Gegenstands für den Gläubiger, also mit Berücksichtigung der
individuellen Umstände, die diesen Werth bestimmen: aestimatio
eius, quod interest; dieses Interesse kann der Höhe nach zufällig
c) Anschlag des Werths zur Berechnung der falcidischen Quart, L. 62 §. 1,
L. 63 D. ad L. Falc. (35, 2). Unter diesen Gesichtspunkt kann auch der
Werth der gestohlenen 2c. Sache gebracht werden, dessen Duplum oder Quadruplum ¬
die Strafe ausmacht, Ulpian. L. 2 §. 13, L. 4 §. 11 D. vi bon. rapt.
(Note b) und L. 50 pr. D. de furtis (47, 2): In furti actione non quod interest
quadruplabitur vel duplabitur, sed rei verum pretium. Sed et si res rebus
humanis esse desierit, cum iudicatur, nihilominus condemnatio facienda est,
idemque etsi nunc deterior sit, aestimatione relata in id tempus, quo furtum
factum est. Quod si pretiosior facta sit, eius duplum quanti tunc, cum pretiosior -
facta sit, fucrit, aestimabitur, quia et tunc furtum eius factum esse verius
est. L. 52 §. 29 eod. In diesen gemeinen Verkaufswerth fällt natürlich auch
der Werth der Erbschaft, zu welcher der gestohlene Sclave eingesetzt war, Ulp.
L. 52 §. 28 eod. Nur wo nicht wegen des Eigenthums, sondern wegen
eines anderen Interesses die actio furti zusteht, giebt dieses Interesse den Maßstab ¬
auch der Strafe, Papin. L. 80 §. 1 eod. Von jenem Grundsatz weicht
ab Celsus, L. 67 §. 1 eod.: Si tibi subreptum est, quod nisi die certa dedisses,
poenam promisisti ideoque sufferre eam necesse fuit, furti actione hoc quoque
coacstimabitur, und auch Papinian, L. 80 §. 1 cit. neigte sich zu dieser entgegengesetzten ¬
Ansicht, wenn der Zusatz si nihil amplius intersit so zu verstehen ist
und von ihm herrührt. Dagegen L. 32 eod. (Paul.) von dem Werth eines
gestohlenen Schuldscheins verträgt sich auch mit Ulpian's Meinung. (Gegen
diese Annahme einer Controverse unter den römischen Juristen erklärt sich mit
Recht Savigny, System V S. 451. R.) — Vgl. wegen anderer Strafen, die
sich nach dem Werth bestimmen, L. un. §. 4 D. si quis ius dic. (Note b),
L. 1 §. 20 D. de tut. act. (27, 3). (Die letzte Stelle geht gar nicht auf
eine Strafe, sondern auf einen festen Werthanschlag zur Vermeidung des
Interessebeweises. R.)
d) L. 33. 71 §. 3 D. de leg. I. (30). Zeit, nach welcher der Werth eines
Gegenstands bestimmt wird, L. 59 D. de V. O. (45, 1). (L. § §. 1 D. de
cond. furt. (13, 1J, L. 3. 4 D. de cond. trit. [13, 31, L. 22 D. de R. C.
[12, 11, L. 13 §. 2 D. commod. (13, 61, L. 37 D. mand. (17, 1). Savigny,
System VI S. 198 f. Büff, über den Zeitpunkt der Schätzung beim Werthansatz, ¬
Archiv für civ. Pr. XXXIII Num. 5. 10. R.)