Volltext : Puchta, Georg Friedrich: Lehrbuch der Pandekten

Interesse.  §.  224.
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Aestimation  a)  sich  blos  auf  den  Verkaufswerth  des  Objects,  verum
rei  pretium,  richten;  diese  Behandlung  tritt  ein,  wenn  der  Werth
entweder  gar  nicht  als  Gegenstand  einer  Forderung*),  oder  zwar
als  solcher,  aber  ohne  Voraussetzung  eines  erlittenen  Schadens
vorkommt*).  Wenn  dagegen-b)  der  Werth  in  Folge  eines  Nachtheils, ¬
  dessen  Ersatz  aus  irgend  einem  Grund  gefordert  werden
kann,  zu  leisten  ist,  so  geht  die  Aestimation  auf  den  Werth  des
Gegenstands  für  den  Gläubiger,  also  mit  Berücksichtigung  der
individuellen  Umstände,  die  diesen  Werth  bestimmen:  aestimatio
eius,  quod  interest;  dieses  Interesse  kann  der  Höhe  nach  zufällig
c)  Anschlag  des  Werths  zur  Berechnung  der  falcidischen  Quart,  L.  62  §.  1,
L.  63  D.  ad  L.  Falc.  (35,  2).  Unter  diesen  Gesichtspunkt  kann  auch  der
Werth  der  gestohlenen  2c.  Sache  gebracht  werden,  dessen  Duplum  oder  Quadruplum ¬
  die  Strafe  ausmacht,  Ulpian.  L.  2  §.  13,  L.  4  §.  11  D.  vi  bon.  rapt.
(Note  b)  und  L.  50  pr.  D.  de  furtis  (47,  2):  In  furti  actione  non  quod  interest
quadruplabitur  vel  duplabitur,  sed  rei  verum  pretium.  Sed  et  si  res  rebus
humanis  esse  desierit,  cum  iudicatur,  nihilominus  condemnatio  facienda  est,
idemque  etsi  nunc  deterior  sit,  aestimatione  relata  in  id  tempus,  quo  furtum
factum  est.  Quod  si  pretiosior  facta  sit,  eius  duplum  quanti  tunc,  cum  pretiosior -
  facta  sit,  fucrit,  aestimabitur,  quia  et  tunc  furtum  eius  factum  esse  verius
est.  L.  52  §.  29  eod.  In  diesen  gemeinen  Verkaufswerth  fällt  natürlich  auch
der  Werth  der  Erbschaft,  zu  welcher  der  gestohlene  Sclave  eingesetzt  war,  Ulp.
L.  52  §.  28  eod.  Nur  wo  nicht  wegen  des  Eigenthums,  sondern  wegen
eines  anderen  Interesses  die  actio  furti  zusteht,  giebt  dieses  Interesse  den  Maßstab ¬
  auch  der  Strafe,  Papin.  L.  80  §.  1  eod.  Von  jenem  Grundsatz  weicht
ab  Celsus,  L.  67  §.  1  eod.:  Si  tibi  subreptum  est,  quod  nisi  die  certa  dedisses,
poenam  promisisti  ideoque  sufferre  eam  necesse  fuit,  furti  actione  hoc  quoque
coacstimabitur,  und  auch  Papinian,  L.  80  §.  1  cit.  neigte  sich  zu  dieser  entgegengesetzten ¬
  Ansicht,  wenn  der  Zusatz  si  nihil  amplius  intersit  so  zu  verstehen  ist
und  von  ihm  herrührt.  Dagegen  L.  32  eod.  (Paul.)  von  dem  Werth  eines
gestohlenen  Schuldscheins  verträgt  sich  auch  mit  Ulpian's  Meinung.  (Gegen
diese  Annahme  einer  Controverse  unter  den  römischen  Juristen  erklärt  sich  mit
Recht  Savigny,  System  V  S.  451.  R.)  —  Vgl.  wegen  anderer  Strafen,  die
sich  nach  dem  Werth  bestimmen,  L.  un.  §.  4  D.  si  quis  ius  dic.  (Note  b),
L.  1  §.  20  D.  de  tut.  act.  (27,  3).  (Die  letzte  Stelle  geht  gar  nicht  auf
eine  Strafe,  sondern  auf  einen  festen  Werthanschlag  zur  Vermeidung  des
Interessebeweises.  R.)
d)  L.  33.  71  §.  3  D.  de  leg.  I.  (30).  Zeit,  nach  welcher  der  Werth  eines
Gegenstands  bestimmt  wird,  L.  59  D.  de  V.  O.  (45,  1).  (L.  §  §.  1  D.  de
cond.  furt.  (13,  1J,  L.  3.  4  D.  de  cond.  trit.  [13,  31,  L.  22  D.  de  R.  C.
[12,  11,  L.  13  §.  2  D.  commod.  (13,  61,  L.  37  D.  mand.  (17,  1).  Savigny,
System  VI  S.  198  f.  Büff,  über  den  Zeitpunkt  der  Schätzung  beim  Werthansatz, ¬
  Archiv  für  civ.  Pr.  XXXIII  Num.  5.  10.  R.)
            
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