Volltext : Pietzsch, J.: Studien über Katasterfragen

Einleitung.
Die  Mängel  des  elsass-lothringischen  Katasters  sind  in  fachkundigen
Kreisen  so  bekannt,  dass  es  kaum  mehr  eines  Nachweises,  sondern  nur  der
Aufzählung  derselben  bedarf.
Die  Karten  sind  zum  Theil  schlecht,  oder  wenigstens  in  zu  kleinen
Massstäben  angelegt.  Eine  Nachtragung  der  Besitz-  und  Kultur-Veränderungen
in  denselben  hat  niemals  stattgefunden,  so  dass  sie  gegenwärtig  kein  Bild
der  bestehenden  Besitz-  und  Kulturverhältnisse  mehr  geben,  sondern  nur
zeigen,  wie  dasselbe  zu  einer  weit  zurückliegenden  Epoche  gestaltet  war.
Auch  in  den  Sektionsbüchern  sind  die  Veränderungen  niemals  nachgetragen ¬
  worden.  Ein  der  Gegenwart  entsprechendes,  die  Parzellen  ihrer  geographischen ¬
  Lage  nach  aufführendes  Verzeichniss  mangelt  somit  vollständig.
Für  jede  Revision  der  Ertrags-Einschätzungen  ist  aber  ein  solches  Verzeichniss ¬
  unbedingt  nöthig.  Die  Mutterrolle,  in  welcher  die  Parzellen,  ohne  Rücksicht ¬
  auf  ihre  Lage,  nach  den  Namen  ihrer  Besitzer  gruppirt  sind,  kann
dasselbe  für  diesen  Zweck  niemals  ersetzen
Aber  auch  die  Mutterrollen  selbst  geben  kein  genaues  Bild  der  gegenwärtigen ¬
  Vertheilung  und  der  Kulturverhältnisse  des  Bodens.  Von  Hause  aus
sind  in  denselben,  wie  auch  in  den  Sektionsbüchern,  die  bebauten  mit  den
unbebauten  Grundstücken  vermischt  verzeichnet.  Diese  Art  der  Anordnung
ist  einer  zweckmässigen  und  klaren  Erhaltung  der  Verzeichnisse  bei  der
Gegenwart  nicht  günstig.
Die  Substanz  des  Bodens  ist,  abgesehen  von  seltenen  Zufällen,  unveränderlich. ¬
  Veränderungen,  welche  im  Kataster  zu  verzeichnen  sind,  erleidet
der  Boden  in  der  Regel  nur  durch  veränderte  Vertheilung  und  durch  den
Wechsel  seiner  Besitzer.  Die  Gebäude  dagegen  unterliegen  der  Abnutzung  und
vollständigen  Veränderung  ihres  Steuerwerthes  durch  Bauten.  Sie  sind  häufig
dem  gänzlichen  Zugrundegehen  durch  Zufälle  und  regelmässig  der  völligen  Entwerthung ¬
  durch  die  Zeit  ausgesetzt.  Andererseits  vermehrt  sich  fortwährend  die
            
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