Volltext : Keller, Friedrich Ludwig: Pandekten

Erster  Theil.  Viertes  Capitel.
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Menschen  gewöhnlich  dem  Schicksal  der  Hauptsache  folgen,  und  es  wird
dies  daher  als  stillschweigende  Willensmeinung  in  vielen  Verhältnissen  angenommen, ¬
  ohne  dass  auch  diese  Regel  weiter  irgend  eine  absolute  Geltung
hätte.  Zum  Ausdruck  des  Begriffes  der  Pertinenz  hat  man  häufig  die  Worte
zusammengestellt:  alles  was  erd-,  wurzel-,  wand-,  band-,  mauer-,  niet-  und  nagelfest -
  ist.  Allein  dieser  Ausdruck,  so  beliebt  er  noch  heute-ist,  hat  gar  wenig
Zuverlässigkeit,  und  scheidet  die  Pertinenz  weder  von  dem  wirklichen  Theile
einerseits,  noch  von  den  unabhängigen  Mobilien,  welche  zum  instrumentum,
supellex  und  dergleichen  gehören,  andererseits  mit  genügender  Schärfe,  was
überhaupt  nach  dem  bloss  äusserlichen  Merkmale  der  Art  der  Verbindung  gar
nicht  zu  bewirken  ist.  Dass  jener  Ausdruck  vieles  begreift,  was  einfacher
Theil  ist,  hat  praktisch  weniger  Gefährliches,  weil  der  Theil  und  die  Pertinenz
gewöhnlich  gleichmässig  der  Hauptsache  oder  dem  Ganzen  folgen  soll.?  Gefährlich ¬
  aber  ist  die  mangelhafte  Abgränzung  nach  der  entgegengesetzten  Seite,
weil  hier  das  rechtliche  Schicksal  sich  scheidet.  Und  dafür  muss  selbst  unser ¬
  genauerer  Begriff  aus  der  positiven  Ansicht  des  Verkehrs  und  den  daraus
hervorgegangenen  Specialregeln  noch  einige  Berichtigung  sich  gefallen  lassen.
Als  Pertinenz  sind  insbesondere  anzusehen:  Baum-  und  Weinpfähle
(pali,  pedamenta,  ridicae,)  bei  einem  landwirthschaftlichen  Grundstück,  wenn
sie  bei  den  Pflanzen  in  der  Erde  stecken,  oder  auch  wenn  sie  zu  vorübergehendem ¬
  Zwecke,  z.  B.  zum  Abspitzen,  herausgenommen  sind,  —  nicht
aber,  wenn  sie  neu  angeschafft,  aber  noch  nicht  beigesteckt  sind.3  Auch  Stroh
und  Mist,  so  weit  sie  für  das  Grundstück  bestimmt  sind,  aber  nicht  geschlagenes
Holz  oder  eingesammelte  Früchte,*  so  dass,  wenn  gesagt  wird:  fundi  nihil  est
nisi  quod  terra  se  tenet,5  hier  doch  der  Unterschied  zwischen  Theil  und  Pertinenz -
  hervorguckt.
Bei  einem  Gebäude  die  sämmtlichen  Schlüssel  zu  den  verschiedenen
Räumen,  die  Vorfenster  und  Fensterladen,  wenn  sie  etwa  für  eine  gewisse
2  Deswegen  bemühen  sich  die  Römer  auch
ligna  autem  uenditoris  uel  heredis...  §.  6.  Si
nicht,  beides  durch  besondere  Bezeichnungen
ruta  et  caesa  excipiantur  in  uenditione,  ea  plazu ¬
  unterscheiden,  sondern  sie  begreifen  beides
cuit  esse  ruta,  quae  eruta  sunt,  ut  arena,  creta
zusammen  durch  die  Worte  fundi  s.  aedium
et  similia;  caesa  ea  esse,  ut  arbores  caesas  et
sunt.  1.52.  §.7.  de  leg.30.(32.)  l.  29.  de  instructo
carbones  et  his  similia  ...  §.  7.  Labeo  generali(33, ¬
  7.)  l.  44.  de  euict.  (21,  2.)  [wo  die  Unterter ¬
  scribit,  ea,  quae  perpetui  usus  caussa  in  aescheidung ¬
  nöthig  gewesen  wärel.  l.  242.  §.  2.
dificiis  sunt,  aedificii  esse,  quae  uero  ad  praede ¬
  v.  s.  (50,  16.)  l.  245.  eod.
sens,  non  esse  aedificii;  utputa  fistulae  rel..
3  l.17.  §.  11.de  a.e.v.  (19,1.)  vgl.  l.  18.  eod.:
§.  10.  Ea,  quae  ex  aedificio  detracta  sunt,  ut
dasselbe  über  Ziegel.
reponantur,  aedificii  sunt  Jygl.  l.  59.  de  r.  v.
4  §.  2.  ibid.
(6,  1.)),  at  quae  parata  sunt,  ut  imponantur
5  pr.  ib.  Ulp.):  Fundi  nihil  est  nisi  quod  terra
(vgl.  §.  5.  ib.),  non  sunt  aedificii.  §.  11.  Pali,
se  tenet;  aedium  autem  multa  esse,  quae  aedibus
qui  uineae  caussa  parati  sunt,  antequam  colloadfixa ¬
  non  sunt,  ignorari  non  oportet;  utputa
centur,  fundi  non  sunt;  sed  qui  exempti  sunt
seras,  claues,  claustra;  multa  etiam  defossa  esse
hac  mente,  ut  collocentur,  fundi  sunt.
neque  tamen  fundi  aut  uillae  haberi,  utputa
6  Vgl.  auch  1.  13.  §.  31.  de  a.  e.  v.  (19,  1.)
uasa  uinaria,  torcularia,  sygl.  l.  76.  pr.  de  c.  e.
Ulp.:  Aedibus  distractis  uel  legatis  ea  esse
(18,  1.)  quoniam  haec  instrumenti  magis  sunt,
aedium  solemus  dicere,  quae  quasi  pars  aedium
etiamsi  aedificio  cohaerent...  §.  2....  sterculiuel ¬
  propter  aedes  habentur,  ut  puta  puteal,  et
num  et  stramenta  emptoris  et  legatarii  sunt,
rel.  in  Il.  14—16.
            
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