Erster Theil. Viertes Capitel.
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Menschen gewöhnlich dem Schicksal der Hauptsache folgen, und es wird
dies daher als stillschweigende Willensmeinung in vielen Verhältnissen angenommen, ¬
ohne dass auch diese Regel weiter irgend eine absolute Geltung
hätte. Zum Ausdruck des Begriffes der Pertinenz hat man häufig die Worte
zusammengestellt: alles was erd-, wurzel-, wand-, band-, mauer-, niet- und nagelfest -
ist. Allein dieser Ausdruck, so beliebt er noch heute-ist, hat gar wenig
Zuverlässigkeit, und scheidet die Pertinenz weder von dem wirklichen Theile
einerseits, noch von den unabhängigen Mobilien, welche zum instrumentum,
supellex und dergleichen gehören, andererseits mit genügender Schärfe, was
überhaupt nach dem bloss äusserlichen Merkmale der Art der Verbindung gar
nicht zu bewirken ist. Dass jener Ausdruck vieles begreift, was einfacher
Theil ist, hat praktisch weniger Gefährliches, weil der Theil und die Pertinenz
gewöhnlich gleichmässig der Hauptsache oder dem Ganzen folgen soll.? Gefährlich ¬
aber ist die mangelhafte Abgränzung nach der entgegengesetzten Seite,
weil hier das rechtliche Schicksal sich scheidet. Und dafür muss selbst unser ¬
genauerer Begriff aus der positiven Ansicht des Verkehrs und den daraus
hervorgegangenen Specialregeln noch einige Berichtigung sich gefallen lassen.
Als Pertinenz sind insbesondere anzusehen: Baum- und Weinpfähle
(pali, pedamenta, ridicae,) bei einem landwirthschaftlichen Grundstück, wenn
sie bei den Pflanzen in der Erde stecken, oder auch wenn sie zu vorübergehendem ¬
Zwecke, z. B. zum Abspitzen, herausgenommen sind, — nicht
aber, wenn sie neu angeschafft, aber noch nicht beigesteckt sind.3 Auch Stroh
und Mist, so weit sie für das Grundstück bestimmt sind, aber nicht geschlagenes
Holz oder eingesammelte Früchte,* so dass, wenn gesagt wird: fundi nihil est
nisi quod terra se tenet,5 hier doch der Unterschied zwischen Theil und Pertinenz -
hervorguckt.
Bei einem Gebäude die sämmtlichen Schlüssel zu den verschiedenen
Räumen, die Vorfenster und Fensterladen, wenn sie etwa für eine gewisse
2 Deswegen bemühen sich die Römer auch
ligna autem uenditoris uel heredis... §. 6. Si
nicht, beides durch besondere Bezeichnungen
ruta et caesa excipiantur in uenditione, ea plazu ¬
unterscheiden, sondern sie begreifen beides
cuit esse ruta, quae eruta sunt, ut arena, creta
zusammen durch die Worte fundi s. aedium
et similia; caesa ea esse, ut arbores caesas et
sunt. 1.52. §.7. de leg.30.(32.) l. 29. de instructo
carbones et his similia ... §. 7. Labeo generali(33, ¬
7.) l. 44. de euict. (21, 2.) [wo die Unterter ¬
scribit, ea, quae perpetui usus caussa in aescheidung ¬
nöthig gewesen wärel. l. 242. §. 2.
dificiis sunt, aedificii esse, quae uero ad praede ¬
v. s. (50, 16.) l. 245. eod.
sens, non esse aedificii; utputa fistulae rel..
3 l.17. §. 11.de a.e.v. (19,1.) vgl. l. 18. eod.:
§. 10. Ea, quae ex aedificio detracta sunt, ut
dasselbe über Ziegel.
reponantur, aedificii sunt Jygl. l. 59. de r. v.
4 §. 2. ibid.
(6, 1.)), at quae parata sunt, ut imponantur
5 pr. ib. Ulp.): Fundi nihil est nisi quod terra
(vgl. §. 5. ib.), non sunt aedificii. §. 11. Pali,
se tenet; aedium autem multa esse, quae aedibus
qui uineae caussa parati sunt, antequam colloadfixa ¬
non sunt, ignorari non oportet; utputa
centur, fundi non sunt; sed qui exempti sunt
seras, claues, claustra; multa etiam defossa esse
hac mente, ut collocentur, fundi sunt.
neque tamen fundi aut uillae haberi, utputa
6 Vgl. auch 1. 13. §. 31. de a. e. v. (19, 1.)
uasa uinaria, torcularia, sygl. l. 76. pr. de c. e.
Ulp.: Aedibus distractis uel legatis ea esse
(18, 1.) quoniam haec instrumenti magis sunt,
aedium solemus dicere, quae quasi pars aedium
etiamsi aedificio cohaerent... §. 2.... sterculiuel ¬
propter aedes habentur, ut puta puteal, et
num et stramenta emptoris et legatarii sunt,
rel. in Il. 14—16.