fullscreen : ¬Die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes im Königreich Preussen (3)

Einleitung.
Topographie  und  Agrarstatistik  Pommerns.
Die  Provinz  Pommern  ist  mit  30  116  qkm  die  fünftgrösste  der  preussischen
Monarchie,  ihrer  absoluten  Bevölkerungszahl  nach  steht  sie  mit  1575059
Einwohnern  an  zehnter  und  ihrer  Bevölkerungsdichtigkeit  nach  mit  52  Einwohnern -
  pro  Quadratkilometer  an  letzter  Stelle  unter  den  preufsischen  Provinzen. -

Die  geringe  Bevölkerungsdichtigkeit  beruht  auf  zwei  Umständen:
1.  den  ungünstigen  natürlichen  Wirtschaftsbedingungen,
2.  der  eigentümlichen  Verteilung  des  ländlichen  Grundbesitzes.
Die  Oberflächenbeschaffenheit  der  Provinz  ist  folgende:  Der  grösste
Teil  wird  vom  baltischen  Höhenzug  eingenommen,  welcher  eine  leichtgewellte -
  Erhebung  mit  zahlreichen  Seen  im  Anschlufs  an  das  in  Westpreulsen -
  gelegene  Plateau  von  Pommerellen  bildet  und  meist  nur  gering
wertige  Bodenarten  aufweist.  Dieser  Höhenzug  wird  durch  die  Oder  in
einem  nicht  sehr  breiten  Thal  durchschnitten.  Ihr  Lauf  teilt  Pommern  in
Vor-  und  Hinterpommern.  An  der  Küste  und  der  Odermündung  sind
niedriger  gelegene  Landstriche  vorgelagert  mit  meist  lehmigem  Boden,  der
zum  Teil  von  grosser  Fruchtbarkeit  ist.  Der  baltische  Höhenzug  erstreckt
sich  über  den  grössten  Teil  von  Hinterpommern  und  macht  sich  im  westlich -
  der  Oder  gelegenen  Vorpommern  weniger  bemerkbar.  Dementsprechend
sind  die  fruchtbaren  Landstriche  Hinterpommerns  nur  schmal,  während  Vorpommern -
  zum  gröfsten  Teil  von  besserer  Bodenbeschaffenheit  ist,  welche
vielfach  einem  erfolgreichen  Zuckerrübenbau  die  Grundlage  bietet.  Eine  besondere -
  Stellung,  was  die  Bodenbeschaffenheit  anbetrifft,  nimmt  ein  Teil
von  Rügen  ein,  in  welchem  unter  den  sonst  allgemein  verbreiteten  diluvialen -
  und  alluvialen  Bodenbildungen  die  Kreideformation  hervortritt  und
namhafte  Bodenerhebungen  mit  steilem  Abfall  zum  Meere  in  Gestalt  der
berühmten  Kreidefelsen  bildet.
Auch  die  klimatischen  Verhältnisse  Pommerns  sind  im  Vergleich  mit
dem  grölsten  Teil  des  übrigen  Deutschlands  nicht  als  günstig  zu  bezeichnen.
Bei  verhältnismälsig  spät  eintretendem  Frühling  und  frühem  Winter  ist  die
Vegetationsperiode  im  Vergleich  zu  Mittel-  und  Süddeutschland  verkürzt  und
die  zu  den  landwirtschaftlichen  Arbeiten  nötige  Zeit  stark  eingeschränkt.
Die  Folge  ist  eine  geringere  Ausnutzung  des  Bodens,  welche  besonders  durch
noch  weit  verbreitete  Brachhaltung  zum  Ausdruck  kommt.  Dabei  bildet
die  Bodenkultur  den  Haupterwerb  der  Bewohner.  Nach  der  Statistik  der
Bodenbenutzung  entfielen  von  der  Gesamtfläche  im  Jahre  1893  auf
            
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