Objekt : Lebensverläufe und gesellschaftlicher Wandel (Teil 2)

-  142  -Verläufe -
  in  der  Regel  auch  aus  den  möglichen  (zeitlich/kongruenten)  institutionalisierten
Strukturen.
Beispiele:  Merkmale  der  Bildungssysteme  wie  Schuleintritt,  Übergänge  auf  andere,  eventuell
historisch  spezifische  Schultypen,  Spannen  der  Verweildauer,  Voraussetzungen  (Zugangsrestriktionen) -
  für  Berufsbildung  und  Beruf  wie  Hochschulreife  oder  Studium,  Stadien  der
Beamtenlaufbahnen  usw.
2.1.2  Lebenszyklen  -  Plausibilität
Biologische  Spannen  von  Fertilität  (Geburtenlimits,  Einschränkung  der  Geburten  auf  Mütter
zwischen  dem  12.  und  56.  Lebensjahr).  Überprüfbar  sind  nicht  nur  die  Zielpersonen  bzw.  deren
Ehefrauen,  sondern  auch  Mütter-  und  Schwestergeneration.  Abstände  von  Geburten  in  der
Geschwisterfolge  sind  nach  biologischer  Plausibilität  zu
prüfen,  wobei  allerdings  auch
Mehrfachgeburten  (Zwillinge/Drillinge)  und  Überschneidung  der  Geburtsjahrgänge  (etwa  in
Familien,  in  denen  sowohl  die  leiblichen  als  auch  adoptierte  Kinder  leben)  beachtet  werden
müssen.  Gesellschaftliche  Normen  wie  Heiratsalter  sind  in  der  Spanne  der  erhobenen  Daten
zwar  unter  Umständen  abweichend,  in  der  Regel  aber  kann  das  Alter  bei  Frauen  von  mindestens
17-18  Jahre  angenommen  werden.  In  diesem  Zusammenhang  ist  der  Vergleich  von  Geburtsjahr
und  Heiratsjahr  der  Eltern  und  der  Geburt  des  ältesten  Geschwister  hilfreich,  da  Fehler  in  diesen
Angaben  möglich  sind.
Grundsätzlich  gilt,  daß  zur  Prüfung  solcher  Einzeldaten  die  gesamte  Lebensgeschichte  der
Befragten  und  die  Daten  ihrer  Familienmitglieder  mit  einzubeziehen  sind.
2.2  Aspekte  der  Datenkonsistenz
2.2.1  Vorbemerkung
Während  der  hier  formal  abgegrenzte  Komplex  1  die  mehr  externen  Prüffaktoren  heranzieht
soll  unter  dem  Begriff  der  Konsistenz  die  quasi  immanente  Stimmigkeit  der  Datenrekonstruktion
eines  Lebensverlaufs  verstanden  werden.  Dieser  ist  als  „komplexe  Einheit“  (Tölke,  1982)  zu
betrachten.  Verknüpfungen  von  Ereignissen  und  Schnittstellen  der  Verkettungen  von  Verläufen
sind  durch  mehrfache  Zuordnung  und  Überschneidung  der  Einzeldaten  möglich  und  sollen  ein
in  sich  widerspruchsfreies  Gesamtbild  der  Einheit  eines  individuellen  Lebensverlaufs
konstituieren.  Die  Konsistenz  der  verknüpften  Einzeldaten  muß  dabei  immer  die  Konsistenz  des
Gesamtbildes  einbeziehen.
Das  Aufspüren  von  Inkonsistenzen  soll  Fehler  in  den  Einzeldaten  aufdecken,  die  retrospektive
Schwachstellen  kennzeichnen  und  Ansätze  zur  Korrektur  (z.B.  durch  sehr  genaue  Vergleiche
mit  dem  Tonbandprotokoll  und  eventuell  auch  durch  notwendige  Nachrecherchen)  markieren.
Die  Konsistenz  des  gesamten  Lebensverlaufs  muß  gewährleistet  sein,  wenn  die  Daten  zur
Aufnahme  in  die  Datenbank  zur  Analyse  freigegeben  werden.  In  der  Edition  der  1981/82
erhobenen  Fälle  wurden  auf  diese  Weise  Fälschungen  und  dubiose,  für  die  Auswertung
unbrauchbare  Interviews  erkannt  und  eliminiert.  Die  Edition  der  LV  II  hat  gezeigt,  daß  Fehlei
dieser  Art  nicht  auftreten,  da  die  Komplexität  des  Instruments  Fälschungen  zu  einer  Arbeit
werden  läßt,  die  sich  vermutlich  noch  schwieriger  gestalten  würde  als  die  Aufnahme  eines
            
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