Metadaten : Lempert, Wolfgang: Konzeptionen zur Analyse der Sozialisation durch Arbeit

463  -Verwertungsprozesses -
  über  den  (gesellschaftlichen)  Arbeitsprozeß -
  zurückgeführt.
(6)  Die  skizzierte  Entwicklung  kann  zureichend  ebensowenig
als  die  planmäßige  Unterwerfung  einer  gutmütigen  und  ohnmächtigen -
  Mehrheit  durch  eine  böswillige  und  mächtige  Minderheit -
  beschrieben  werden,  wie  das  Nachgeben  der  ersteren
allein  durch  deren  Kapitulation  vor  der  materiellen  Gewalt
der  letzteren  erklärbar  erscheint.  Historische  Entwicklungen
-  bis  hin  zur  Genese  neuer  Gesellschaftsformationen  -  werden
durch  die  Tätigkeit  von  Individuen  und  Gruppen  sowohl  in  Gang
gesetzt  als  auch  in  ihrem  weiteren  Verlauf  getragen;  oft  verselbständigen -
  sich  jedoch  die  durch  sie  erzeugten  Strukturen,
werden  immer  weniger  kontrollierbar  und  durchschaubar  und
wirken  auf  das  Handeln  und  Denken  der  Menschen,  vor  allem  der
Angehörigen  späterer  Generationen  zurück.  Ihr  zwingender
Charakter  wird  oft  nur  partiell  als  etwas  Äußeres  erfahren,  im
übrigen  aber  selbst  von  Angehörigen  jener  Gruppen  internalisiert,
deren  Bedürfnissen  sie  weitgehend  widersprechen.
Ein  derart  verselbständigter  Prozeß  ist  im  Kapitalismus  -  wie
schon  angedeutet  -  die  Verselbständigung  der  Produktionsmittel
und  ihrer  Entwicklung:  die  Kapitalakkumulation.  Für  die  meisten
Individuen  bedeutet  sie  Entfremdung:  vom  Produkt  und  Vollzug
der  eigenen  Tätigkeit,  vom  Mitmenschen  und  vom  Entwicklungspotential -
  persönlicher  Fähigkeiten.  Dieser  objektiven  Entfremdung -
  entsprechen  auf  der  subjektiven  Seite  häufig  Gefühle  der
Ohnmacht,  der  Sinnlosigkeit,  der  sozialen  Isolierung  und  der
vorenthaltenen  Selbstverwirklichung;  aber  sie  wird  gerade  von
vielen  Angehörigen  besonders  betroffener  Gruppen  besonders  wenig
durchschaut  und  kaum  kritisiert  ("doppelte  Entfremdung").
(7)  Historisch  heißt  der  historische  Materialismus  nicht  nur
als  genetische  Theorie,  sondern  auch  wegen  seiner  Zukunftsperspektive. -
  Die  gesellschaftliche  Entwicklung  wird  historischmaterialistisch -
  nämlich  nicht  nur  als  bloße  Abfolge  verschiedenartiger -
  Gesellschaftsformationen  gleichen  Strukturniveaus,
sondern  letztlich  als  gerichtete  Evolution  gesehen,  die  von
            
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