Volltext : Lenz, Gustav: Studien und Kritiken im Gebiet des preußischen, römischen und deutschen Rechts

XXIV
Menschheit.  Das  Menschenthum,  in  dem  das  Alterthum  gipfelt,
ersteht  wieder,  nicht  in  naiver  jugendlich  heiterer  Schönheit,  sondern ¬
  gereift  und  sich  seiner  bewußt  geworden.  Die  maaßvolle
sittliche  Schönheit  der  ooovy,  die  Mannestugend,  ersteht
wieder,  umschlossen  und  getragen  von  der  Liebe:  der  Erlöser  ist
vor  zweitausend  Jahren  erschienen;  es  naht  die  Erlösung.
Die  Worte  sind  meiner  Feder  entflossen,  das  Wehen  des
Geistes  hat  sie  dictirt;  ich  fühle  mich  ruhig  und  zufrieden,  das
Herz  voll  Liebe  und  Frieden,  nun  das,  was  mich  im  Innersten
bewegt  hat  viele  Jahre,  in  gegenständlichen  Worten  Gestalt
:
gewonnen.  Mögen  sie  ihren  Platz  behalten  in  der  Vorhalle
zu  Abhandlungen  über  dingliche  Rechte  und  usurae  ex  mora.
Sind  doch  auch  diese,  und  das  bildet  in  meinen  Augen  ihren
Werth,  Erzeugnisse  des  Denkens.  Man  sieht  es  den  frischen  Gesichtern ¬
  dieser  Kinder  meines  Geistes  nicht  an,  wieviel  Wehen  mir
die  Schwangerschaft  und  ihre  Geburt  verursacht  hat.  Sie  haben
ein  leichtes  Aeußere,  sind  nicht  igelartig  mit  Quellencitaten  besetzt,
die  Porstellung  und  selbst  das  Bild  ist  den  wissenschaftlichen  Entwickelungen ¬
  eingewebt.  Ich  habe  auch  den  Haß  gegen  die  Vorstellung ¬
  meiner  Zeit  getheilt,  als  ich  dem  sich  selber  denkenden
Denken  götzendienerte.  Das  heißt  soviel,  als  das  Fleisch  hassen,
die  schöne  bekleidende  Hülle  des  Körpers,  und  nur  Gedanken  in
der  Form  des  Denkens  haben  wollen,  heißt,  Knochengerippe  um
sich  gruppiren.
Ich  lasse  sie  nun  hineintreten  in  die  Welt.  Spurlos  werden
sie  nicht  untergergehen;  sie  sind  in  der  Weise  des  Mannes  gehalten, ¬
  dessen  Manen  ich  sie  geweiht.  Daß  ich  glauben  sollte,  ich
wäre  der  Schwan,  der  auf  Gans  zu  folgen  bestimmt,  das  liegt
meinem  Sinne  fern:  und  wenn  auch  die  Kraft,  die  ich  in  mir
sich  regen  fühle,  nicht  in  ihrer  jugendlichen  Entwickelung  gehemmt
            
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