Volltext : Von den Pandekten zum Bürgerlichen Gesetzbuch (2)

I.  Abschnitt:  Die  rechtliche  Natur  der  Schuldverhältnisse.
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Dieser  Paragraph  giebt  lediglich  eine  neue  Formulirung
der  pandektenrechtlichen  Parömie,  genus  perire  non  censetur
bezw.  species  debita  perit  casu,  cui  debetur.  Wie  schon  oben
S.  22  bemerkt,  ist  dabei  die  Relativität  des  Gattungsbegriffes
zu  beachten.1
Die  Unmöglichkeit  (bezw.  das  Unvermögen)  im  Sinne
des  §  275  braucht  keine  dauernde  zu  sein,  vielmehr  muss  nach
Treu  und  Glauben  ein  Schuldner  auch  dann  als  befreit  gelten.
wenn  er  durch  Zufall  verhindert  ist,  innerhalb  der  Zeit  zu
erfüllen,  innerhalb  deren  er  gemäss  verständiger  Vertragsauslegung -
  erfüllen  sollte.
Handelt  es  sich  nicht  um  eine  objective  Unmöglichkeit
oder  um  ein  individuelles  Unvermögen  des  Schuldners  im  oben
beschränkten  Sinne,  so  bleibt  der  Anspruch  auf  die  ursprüng
liche  Vertragsleistung  bestehen,  daneben  aber  tritt  im  Fall
der  Nichterfüllung  ein  Anspruch  des  Gläubigers  auf  das  Interesse, -
  2)  ferner  ein  Rücktrittsrecht  des  Vertragsgegners.  Vgl.
§  325  B.G.B.
*)  Vgl.  L.  30  §§  4,  5  D.  ad  leg.  Falcid.  35,  2:  §  4  Certis  vero  corporibus
et  his  ipsis  ita  relictis:  „pecuniam,  quam  in  illa  arca“,  „vinum,  quod  in
illis  doleis",  „pondus  argenti,  quod  in  illis  horreis  habebo“,  si  sine  culpa
heredis  deperierunt  vel  deteriora  sunt  facta,  procul  dubio  aut  nihil
debebitur  aut  eorum  quae  exstabunt  qualia  erunt  ea  portio  debebitur,  quae
per  legem  Falcidiam  efficiatur  ex  aestimatione  bonorum,  quae  mortis
testatoris  tempore  fuerint.
§  5.  Incertae  autem  res  relictae  distinctionem  recipiunt: -
  nam  si  ex  suis  rebus  incertam  rem  testator  reliquisset,  veluti
„argentum  quod  elegerit",  et  omne  argentum  testatoris  interisset
sine  culpa  heredis,  nihil  deberetur:  sin  vero  argenti  pondus
pure  relictum  esset,  quamvis  omne  argentum  testatoris  deperisset,
admissa  lege  Falcidia  portio  ejus  quantitatis  sumetur,  quae  fuit  in  bonis
eo  tempore,  quo  testator  decessit,  nec  ad  imminuendam  eam  quic
quam  damna  postea  incidentia  proficient.
Vgl.  auch  R.G.  AXVIII  Nr.  50  S.  221ff.  Dazu  Kuhlenbeck.
Rechtsprechung  II  S.  15  ff.
2)  Vgl.  Seuffert,  Archiv  Bd.  45,  S.  282.  R.G.  V.  Nr.  75,  Kuhlenbeck, -
  Rechtsprechung  II  S.  66—69.
3)  Vgl.  R.G.  XXXII,  Nr.  33.  Seuffert  Arch.  XXIV  Nr.  28  XXXIV
Nr.  196  S.  291.  Bolze,  Praxis  XVIII  Nr.  128.  Kuhlenbeck,  Rechtsprechung -
  des  R.G.  II  S.  71—73.
            
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