Jahren, in welchen alle möglichen reactionären Bestrebungen sich
geltend zu machen gesucht, die Handwerker zu einer bedeutend
höhern Anschauungsweise ihrer Interessen sich hätten erheben sollen.
In der That haben die in der neuern Zeit über die gewerblichen
Hauptfragen berathenden Versammlungen der Handwerker überall
da, wo sie ohne äußere Beeinflussung unter sich selbst tagten, nicht
undeutlich den Vorsatz durchblicken lassen, bei passender Gelegenheit
auf jene Beschlüsse ihrer Frankfurter Delegirten zurückkommen zu
wollen. Auch die Dresdner Berathung, obwohl in ihrer freien
Meinungsentfaltung durch obrigkeitlichen Vorsitz und kaufmännische
Theilnahme ohne Zweifel behindert, endigte mit einem Deputationsbericht, ¬
welcher bedauerlicherweise auch nicht die Spur eines höhern
Princips entdecken läßt. Zwar hat der Freiberger Gewerbecongreß
sich unter dem spätern Anschluß noch anderer sächsischer Gewerbevereine ¬
für die Gleichstellung des Handwerkes mit
dem Fabrikbetrieb erklärt, gleichwie auch von dem Chemnitzer
Handwerkerverein ein vortrefflich motivirtes Gutachten zu Gunsten
richtiger volkswirthschaftlicher Grundsätze veröffentlicht worden ist.
Bedenkt man jedoch, daß fast alle dergleichen gewerbliche Vereine von
Intelligenzen geleitet werden, welche entweder dem sich in der Regel
sehr wenig dafür interessirenden Handwerkerstande nicht angehören,
oder welche, ist es dennoch der Fall, vermöge ihrer Bildung oder
sonstigen Stellung sich außerhalb des Kreises der Handwer
maximen bewegen, so können jene Beschlüsse und Kundgebungen
ehrlicherweise nicht als ein Gesammtausdruck der herrschenden Innungs=Ansichten ¬
und Meinungen zu betrachten sein.
Nichtsdestoweniger erscheinen diese Vorgänge um so beachtenswerther, ¬
als sie mit ähnlichen Bestrebungen in den andern deutschen
Ländern zusammentreffen. Nachdem der volkswirthschaftliche Congreß
in Gotha sich einstimmig für die Gewerbefreiheit ausgesprochen,
traten ihm der Gewerbtag in Hannover, sowie die Gewerbevereine
in Nassau, in Würtemberg wie in Oldenburg bei und es zeigte
sich bald darauf die überraschende Erscheinung, daß der als Gegendemonstration ¬
nach Frankfurt einberufene Zunftcongreß aus Besorgniß ¬
vor einer starken Gewerbfreiheitlichen Opposition abgesagt