Volltext : ¬Das Pandectenrecht aus den Rechtsbüchern Justinians (Theil 1, Bd. 2)

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worden,  den  Pachter  für  unbefugt  oder  befugt  erachtet,  Remiss ¬
  zu  fordern.
§.  4.
Fortsetzung.
Erläuterungen  von  l.  15.  §.  2.
Die  Bemerkungen  unter  I  —V.  setzen  uns  in  den  Stand,
die  in  1.  15.  §.  2.  enthaltene  Casuistik  zu  würdigen.
„Si  vis  tempestatis  calamitosae  contigerit,  an  locator  conductori ¬
  aliquid  praestare  debeat?  videamus.  Servius  :  omnem
vim,  cui  resisti  non  potest,  dominum  colono  praestare  debere,
ait,  utpula  fluminis,  graculorum,  sturnorum,  et  si  quid  simile
acciderit,  aut  si  ineursus  hostium  fiat;  siquactamen  vitia  ex  ipsa
re  oriantur,  hacc  damno  colont  esse,  veluti  si  vinuin  coacuerit,
si  raucis,  aut  herbis  segetes  corruptae  sint.  Sed  et  si  labes
facta  sit,  omnemque  fructum  tulerit,  damnum  coloni  non  esse,
ne  supra  damnum  seminis  amissi  mercedes  agri  praestare  cogatur. -
  Sed  et  si  uredo  fructum  oleae  corruperit,  aut  solis  fervore ¬
  non  assueto  quid  acciderit,  damnum  domini  futurum
esse;  si  vero  nihit  extra  consuctudinem  acciderit,  damnum
coloni  esse;  idemque  dicendum,  si  exercitus  practeriens  per
lasciviam  aliquid  abstulerit.  Sed  si  ager  terrae  motu  ita  corrucrit, ¬
  ut  nusquam  sit,  damno  domini  esse;  oportere  enim
agrum  praestari  conductori,  ut  frui  possit.
Anlangend  die  Worte:  „fluminum,  graculorum,  sturnorum ¬
  et  si  quid  simile  acciderit,  aut  si  incursus  hostium  liat.
Wenn  jemand  einen  Acher  pachtet,  der,  seiner  Lage  nach,
nur  in  seltnen  Jahren  nicht  von  beschädigenden  Ueberschwemmungen -
  heimgesucht  wird,  so  ereignet  sich  nichts  extra  consuctudinem, ¬
  wenn  Ueberschwemmungen  Schaden  verursachen.
Nur  dann  lässt  sich  also  ein  damnum  lluminum  annehmen, -
  wenn  z.  B.  Gewässer  im  Frühjahre  durch  ungewöhnlich ¬
  schnelles  und  warmes  Thauwetter  oder  im  Sommer  durch
Wolkenbrüche  zu  ausserordentlicher  Höhe  angeschwollen,  den
Niederungen  schaden.  Krähen  und  Staare  werden  wohl  auch
in  Italien  Jahr  aus  Jahr  ein  sich  die  Nahrung  auf  Feldern
suchen,  und  also  auch  schon  zu  Ulpians  Zeiten  nur  unter  der
im  Satze  IV.  b.  angegebenen  Voraussetzung  Schädenprocesse
zwischen  Verpachtern  und  Pachtern  veranlasst  haben.
Das  specielle
„Si  quae  tamen  vilia  ...  corrupta  sint.
„si  vinum  coacuerit,  genereller  für  das  Verderben  bereits
gewonnener  Producte  genommen,  überzeugt  uns  die  Stelle  von
der  Richtigkeit  der  Bemerkung  im  Satze  I.,  nach  welcher
den  Verlust,  der  die  vom  Boden  getrennten  Früchte  trifft,
unbedingt  der  Pachter  über  sich  ergehen  lassen  muss.
Ein  aus  der  Frucht  selbst  sich  entwickelndes  Verderben
derselben  („si  vitia  ex  ipsa  re  oriantur“)  ist  nur  bei  fructibus ¬
  perceptis  denkbar.
            
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