Volltext : Jhering, Rudolf von: ¬Das Trinkgeld

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Ob  die  hier  gemachten  Vorschläge  Aussicht
auf  Verwirklichung  haben?  Man  giebt  uns  Deutschen ¬
  Schuld,  dass  wir  einen  Stein  im  Wege,  an
dem  wir  uns  stossen,  ruhig  liegen  lassen  —  Jeder
verwünsche  ihn,  aber  Niemand  nähme  sich  die
Mühe,  ihn  aus  dem  Wege  zu  räumen  oder,  wenn
er  für  ihn  allein  zu  schwer  sei,  Andere  zur  Hülfe
herbeizuziehen.  Das  Trinkgelderunwesen  ist  ein
solcher  Stein,  Jeder  klagt  über  ihn,  aber  Jeder
lässt  ihn  liegen.  Der  Vorwurf,  den  wir  gegen  den
Stein  erheben,  richtet  sich  gegen  uns  selber;  wer
eine  Unsitte  bloss  verwünscht,  anstatt  für  seinen
Theil  mitzuwirken,  sie  zu  beseitigen,  klagt  sich
selber  an  —  für  das  Bestehen  einer  Unsitte  ist
Jeder,  der  nicht  den  Muth  hat,  ihr  entgegenzutreten, ¬
  selber  mit  verantwortlich,  Niemand  hat  das
Recht,  sich  über  sie  zu  beklagen,  als  derjenige,
der  sich  das  Zeugniss  ausstellen  kann,  seinerseits
Alles  gethan  zu  haben,  was  in  seinen  Kräften
stand,  um  ihr  ein  Ende  zu  machen.  Jeder  meiner
Leser  kann  sich  damit  in  Bezug  auf  das  Trinkgelderunwesen -
  sein  eigenes  Urtheil  sprechen.
dahin  gehen,  das  Trinkgeldergeben  in  denjenigen  Verhältnissen,
in  denen  es  bisher  üblich  gewesen  ist,  einfach  zu  unterlassen
—  dies  würde  eine  grosse  Unbilligkeit  gegen  diejenigen  enthalten, ¬
  die  einmal  darauf  angewiesen  sind  —  sondern  dasselbe
durch  positive  Einrichtungen  zu  ersetzen.  Erst  dann  und  nur
da,  wo  letztere  getroffen  sind,  würden  die  Trinkgelder  hinwegzufallen ¬
  haben.
            
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