Volltext : Jhering, Rudolf von: ¬Das Trinkgeld

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  wahrscheinliche  Gefahr,  Proteste  von  Oberkellnern ¬
  und  Bedienten  gewärtigen  zu  müssen,
sicherstellt.  Ich  erkläre  also  hiermit  feierlich,
dass  meine  Meinung  nicht  dahin  geht,  als  ob
jeder  Oberkellner  und  jeder  Bediente  in  einem
vornehmen  Hause  dazu  verdammt  wäre,  meine
Behauptung  zu  bewahrheiten,  ich  zweifle  vielmehr
nicht  daran,  dass  es  unter  ihnen  neben  den  räudigen ¬
  Schafen  auch  Musterexemplare  giebt,  für  die
das  Bild,  das  ich  im  Bisherigen  entworfen  habe,
in  keiner  Weise  zutrifft.  Meine  Behauptung  ist
nicht  darauf  gestellt,  dass  jene  Wirkungen  schlechthin ¬
  eintreten  müssen,  sondern  dass  in  denjenigen
Fällen,  wo  jene  Ausschreitungen  wirklich  stattfinden, ¬
  neben  der  menschlichen  Schwäche:  Genusssucht, ¬
  Eitelkeit,  auch  die  eigenthümliche  Natur
des  Trinkgeldes  als  wesentlich  mitwirkender  Factor
zur  Erklärung  heranzuziehen  ist.
Andererseits  aber  sehe  ich  mich  noch  genöthigt,
meine  Behauptung  über  den  moralisch  ungünstigen
Einfluss  des  Trinkgelderwesens  zu  erweitern.
XIII.
Das  Trinkgelderwesen  ist  in  meinen  Augen
eine  durch  die  Sitte  organisirte  Art  der  Bettelei.
Für  eine  Leistung,  für  welche  derjenige,  der  sie
erweist,  entweder  von  demjenigen,  in  dessen  Diensten ¬
  er  steht,  bereits  Zahlung  erhalten  hat  oder
für  die  er  überhaupt  keine  entgegennehmen  sollte,
            
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