Volltext : Jhering, Rudolf von: ¬Das Trinkgeld

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ihnen  noch  nicht  theuer  genug,  und  der  Wirth  sah
sich  genöthigt,  um  ihren  Wünschen,  den  theuersten -
  Champagner  zu  trinken,  den  es  überhaupt
gebe,  nachzukommen,  irgend  eine  seiner  Sorten
zu  einem  ganz  exorbitanten  Preis  anzusetzen.
Beim  Goldschmied  liessen  sie  sich  goldene  Theelöffel ¬
  machen.  Es  war  der  Uebermuth  des  ökonomischen -
  Grössenwahns,  ökonomisches  Delirium,
ökonomische  Tobsucht  —
es  wurden  Flaschen
Champagner  an  die  Wand  geworfen!  Eine  normale ¬
  Einnahme,  d.  h.  eine  solche,  welche  der
allgemein  hergebrachten  Norm  des  Verkehrs  entspricht, -
  hat,  selbst  wenn  sie  noch  so  hoch  ist,  für
den  Menschen  nichts  Bedrohliches;  er  kann  sich
sagen,  dass  er  sie  durch  seine  Arbeit  oder  sein
Kapital  regelrecht  verdient  hat.  Bedrohlich  ist
nur  derjenige  Erwerb,  der  sich  ausserhalb  der
Bahnen  des  normalen  Verkehrs  hewegt,  bei  dem
der  Gewinn,  den  er  abwirft,  in  keinem  Verhältniss ¬
  steht  zu  dem  Einsatz,  durch  den  er  erzielt
wird:  der  excentrische,  wie  ich  ihn  nennen  möchte.
Dem  excentrischen  Charakter  des  Erwerbs  entspricht -
  hier  regelmässig  der  seiner  Verwendung.
Dei  einem  armen  Mann,  der  durch  Zufall,  z.  B.
Gewinn  in  der  Lotterie,  oder  eine  reiche  Erbschaft
plötzlich  in  den  Besitz  eines  Vermögens  gelangt,
hält  sich  dasselbe  in  der  Regel  nicht  lange,  ihm
schwindelt  —  dem  Dachdecker  schwindelt  nicht,
er  ist  die  Höhe  gewohnt.
            
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