Volltext : Jacobi, C.: Ueber die Verhältnisse der Heuerleute im Osnabrückschen nebst Vorschlägen für deren Verbesserung

Bei  der  günstigen  Lage  und  der  Fruchtbarkeit  des  Bodens,
verbunden  mit  der  regen  Thätigkeit  und  Geschicklichkeit  der
Landleute  in  landwirthschaftlichen  und  den  sich  daran  knüpfenden
industriellen  Arbeiten  müßten  diese  Gegenden  die  reichsten  und
glücklichsten  des  Königreichs  sein;  dennoch  finden  sich  viele  rechtschaffene, ¬
  arbeitsliebende  Menschen,  die  mit  Hunger  und  Sorgen
zu  kämpfen  haben  würden,  wenn  ihnen  nicht  Unterstützung  zu
Theil  würde.
Diese  gehören  zum  größern  Theile  der  so  zahlreichen  Classe
jener  Heuerleute  an.  Schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  ist
daher  die  Aufmerksamkeit  der  Regierung,  wie  der  Stände  au
diesen  großen  und  wichtigen  Theil  der  Bevölkerung  gerichtet
gewesen,  der,  ganz  abgesehen  von  der  allgemeinen  Berücksichtigung ¬
  seiner  Unterthanen-  und  Menschenrechte,  um  deswillen
besondere  Fürsorge  verdient,  weil  er  die  fleißigsten  Producenten
in  seiner  Mitte  zählt  und  also  mit  der  Landes-Industrie  nicht
nur  in  der  engsten  Verbindung  steht,  sondern  selbst  das  Erblühen
der  vaterländischen  Gewerbe  auf  dem  platten  Lande  zum  großen
Theile  bedingt;  außerdem  aber  seiner  Steuer-  und  Militairpflicht
wegen  die  Mittel  des  Staates  hebt  und  kräftigt.  *)
Hat  man  also  genügende  Veranlassung,  die  Verhältnisse
dieser  Classe  der  Bewohner  zu  prüfen,  so  wird  sich  auch  der
Druck,  welcher  auf  derselben  lastet,  bald  ergeben;  er  wird  vorzugsweise ¬
  in  der  großen  Vermehrung  der  Familien  der  Heuerleute ¬
  und  in  der  Beschränkung,  wie  in  der  Willkühr  ihrer  Behandlung ¬
  durch  die  Grundbesitzer  zu  finden  sein.
Manche  Erleichterung  ist  den  Heuerleuten  bereits  zu  Theil
geworden;  mancher  Wunsch  ist  unerfüllt  geblieben;  oft  aber  die
’)  „Dem  Staate  ist  mehr  an  einem  Erbbeständer  gelegen,  als  an
„zehn  Heuerleuten,  die  nichts  zu  verlieren  haben,  und  zur  Zeit  der  Noth
„flüchtig  werden.  Indessen  besteht  wenigstens  die  Hälfte  der  Einwohner
„dieses  Hochstifts  aus  Heuerleuten,  unsere  Industrie  beruht  zum  größten
„Theile  darauf;  und  sollten  künftig  Aufgebote  oder  Militair-Conscrip„tionen ¬
  unsre  Heuerleute  in  das  benachbarte  Holland,  das  sie  mit  Freuden
„aufnehmen  würde,  treiben;  so  würde  nicht  nur  der  Ackerbau  danieder
„liegen,  sondern  vorzüglich  auch  unser  Garn-  und  Leinenhandel  aufhören
„müssen,  und  mithin  Osnabrück  bald  die  ärmste  Provinz  in  Westfalen
„werden."
Klöntrup,  Handbuch  der  Rechte  und  Gewohnheiten  des  Hochstifts
Osnabrück.  Thl.  II.  Pag.  164.
            
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