Gelobter und gebotener Friede im deutschen Mittelalter. 159
§ 6.
Der auf Befehl gelobte Friede.
Auch der auf Befehl gelobte Friede wird nie dem Gegner,
sondern stets einem Dritten, dem Friednehmer (mnd.
vredenemer, vredemaker, vreder) gelobt, und zwar in aller Regel
demjenigen, der den Befehl zum Geloben gab. Er „fordert"x),
„heischt"* 2 *) und „nimmt“8) den Frieden. Schweizerische
Quellen sagen „er nimmt den Frieden auf"4) oder auch wohl
„er nimmt die Parteien in Frieden“.5) Die Weistümer aus
Salzburg und Tirol sagen einfach, daß er den Frieden
„macht".6 *) Bisweilen wird auch die Form der Aufforderung
mitgeteilt. In Ylissingen (van Mieris 2,157) sagt der Vreder:
ic vermane u eens vreden van’s heeren weghenS) Kürzer ist
die Aufforderung in der Schweiz. Im Landbuch von Appen-
zell-Außerrhoden 1599/1712 (Schaubergs Zeitschrift 1,22) lautet
sie: gib frid mm ersten mal usw., in Luzern (Segesser
a. a. O. 2,218) einfach gib frid. Dieser Aufforderung leisten
i) Pacem exigere: Poperinghen 1147 (Wamkönig 2 Nr. 188 § 18);
pacem petere: Middelburg 1217 (van den Bergh 1 Nr. 261). — IWid
fordern: Landbuch von Schwyz (Eothing 8. 5); vride .. oder stattung
vordem: Zürcher Richtebrief 4, 52 (Arch. für Schweiz. Gesch. 5, 204).
— 2) Vrede eysehen: Zütphen 1311 (Rechtsbronnen v. Zütphen 8. 5f.);
vrede ofemhen: Boisward 1479 c. 92 (Friesche Stadrechten 167); fride
heischen: Speier 1314 (Hilgard, Urkunden zur Gesch. von SjJeier 8. 221).
— Umb frid bitten: Ulm, Rotes Buch (Mollwo 8. 17). — *) Vrede
nemen: Ylissingen 1315 (v. Mieris 2, 157); Bordrechter Keurboek von
1401 (Oudste rechten der stad Bordrecht 1, 5ff.); friden nemen: Baden
ca. 1520 § 5 (Rechtsquellen Aargau 1, 2,180); prendre trieuves: Yeume
1267 (Warnkönig 2 Nr. 162). — *) Wollerau und Pfäffikon 1484 § 3
(Grimm 4,344: frid ufnemen); Maienfelder Stadtrecht 1505 § 63 (Zeitschr.
für schweizer. Recht 27,161: friden ufgenemen). Ebenso trostung uff-
nemen: Berner Satzungsbuch Art. 28 (Rechtsquellen Bern 1,1,1,28). —
5) Aarauer Stadtrecht (ca. 1510) 9, 3 (Rechtsquellen Aargau 1,1,153):
jn friden zu nämen. — •) Kessendorf (Österreich. Weist. 1, 42); Stans
(ebenda 1, 42). — Vereinzelt begegnet diese Redeweise auch anderswo:
Renneiner Landrecht (Rechtsgeleerd Magazijn 5,234: eenen vrede maeken).
— In Antwerpen sagt man in vreden setten (Keurboek aus dem Ende
des 14. Jahrh. Art. 193. Quart. d’Anvers 1, 72). — *) Im Kennemer
Landrecht (siehe vorige Anmerkung) spricht der Vreder: tc vermane u
een vrede 14 daghen langh teghen dese man N. N. voor u ende uwen magen
800 wel te onderhouden den eersten dagh als den testen.