Vorwort.
„Möchten doch die nachfolgenden Betrachtungen in Verbindung mit
dem philosophischen Geiste des Jahrhunderts von neuen Stiftungen abschrecken ¬
und den letzten Rest abergläubischer Ehrfurcht vor den bestehenden ¬
zerstören.
Mit diesen Worten leitet Turgot seinen bekannten Aufsatz über die
Stiftungen in der großen Encyclopädie ein, in der Hoffnung mit demselben ¬
der Stiftung den Todesstoß versetzt zu haben. Und in der
That, die Ereignisse schienen ihm Recht zu geben. Die ausbrechende
Revolution bemächtigte sich der reichen Güter der frommen Stiftungen
und erklärte sie als Nationaleigenthum. Allerdings nicht für lange; die
Reaction unter dem Consulate und Kaiserreiche ließ dieselben zu neuer
Blüte auferstehen.
Eine ähnliche Bewegung, wenn auch von anderen Tendenzen getragen,
gieng wenige Jahre vorher durch unser Vaterland. Die kirchlichen
Reformen Joseph II. griffen auch in das Stiftungswesen mächtig ein;
zahlreiche Stiftungen wurden zu den neugebildeten großen Fonden geschlagen, ¬
andere wiederum aufgehoben oder umgeändert.
Daß die mächtigen gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahrhunderte ¬
meistens auch das Stiftungswesen ergriffen, zeugt deutlich
von der hohen socialen Bedeutung desselben. Die großen Vermögensmassen, ¬
welche frommer Sinn der Bürger oder auch politische Klugheit
der Landesfürsten durch Jahrhunderte zu verschiedenen Zwecken nach Willkür ¬
der Stifter angesammelt hatten, zogen naturgemäß die Aufmerksamkeit ¬
der zur Herrschaft gelangten Kreise auf sich, welche sich bemühten
dieses Vermögen, wenn auch in geänderter Form, den Ideen der Zeit
dienstbar zu machen.
Daß aber die Stiftung derartigen Bewegungen bisher nur geringen
Widerstand zu leisten vermochte, lag hauptsächlich in der auch heute noch