Metadaten : Mueller, Johannes: Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinnes des Menschen und der Thiere nebst einem Versuch über die Bewegungen der Augen und über den menschlichen Blick

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nigten,  Mittelpuncte  beider  Augen.  Unter  allen  Bewegungen ¬
  der  Augen  ist  ihre  Entfernung  eine  gleichbleibende,  in  der
Identität  und  Differenz  der  Netzhäute  gegründete.
Die  subjective  Erscheinung  der  Aderfigur,  welche  früher ¬
  beschrieben  worden  ist,  wird  uns  auch  hier  eine  unantastbare ¬
  Gesichtswahrheit.  Kennen  wir  einmal  die  feurigen
Kreise  der  Eintrittsstellen,  so  werden  wir  die  letzteren  sogleich ¬
  auch  in  der  Adersigur  wieder  erkennen.  Die  beiden
seitlichen  Stellen  der  Aderfigur,  aus  welchen  die  Stämme
des  Adergewebes  entspringen,  sind  in  den  Eintrittsstellen
der  Sehnerven;  sie  haben  in  der  Aderfigur  dieselbe  Entfernung ¬
  im  subjectiven  Sehfelde,  als  jene  feurigen  Kreise,
in  welchen  sie  leuchtend  zur  Anschauung  kommen.  Auch  liegen ¬
  die  Aderfiguren  beider  Augen  im  Sehfelde  in  einander,
nach  Maßgabe  der  identischen  Stellen  beider  Augen,  welche
von  den  Gefäßgeflechten  verschieden  durchzogen  sind.
Bald  ist  die  Aderfigur  des  einen,  bald  die  des  andern
Auges  mehr  sichtbar;  oft  verschwindet  die  eine,  ohne  daß
die  andere  unterbrochen  wird,  ganz  so,  als  ob  ein  tiefer
liegendes  Gewebe  im  Sehfelde  vor  unseren  Augen  weggezogen ¬
  würde.
Die  Anwendung  auf  die  objectiven  Gesichtserscheinungen ¬
  ergiebt  sich  nun  von  selbst.  Haben  die  Augen  eine  solche
Stellung  gegen  das  leuchtende  Object,  welche  mit  der
Convergenz  der  Augenachsen  im  Objecte  gegeben  ist,  daß
gleiche  Bilder  desselben  Objectes  auf  identische  Theile  der  Netzhäute ¬
  fallen,  so  kann  das  Object  nur  einfach  gesehen  werden; ¬
  in  jedem  andern  Falle  aber  werden  Doppelbilder  gesehen. ¬
  Die  Gesetze  dieser  Erscheinungen  gedenken  wir  später ¬
  in  einem  besondern  Buche  zu  verfolgen,
Man  hat  gegen  die  bleibende  Identität  der  beiden
Netzhäute  fragend  eingewendet,  warum  das  Doppeltsehen
im  Schwindel,  in  der  Trunkenheit  und  in  nervösen
Krankheiten  entstehe,  wo  doch  die  harmonischen  Bewe¬
            
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