Allgemeiner Theil.
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Vorsteher, Consules mercatorum, ausgerüstet mit hohem Einflusse und eigener
Jurisdiktion in allen Handelsangelegenheiten der Mitglieder, standen 5).
Eine andere, nicht minder wichtige und angesehene Korporation, societas
artium, war in Italien die Innung der Kampsoren, campsores, hervorgerufen
durch die Verhältnisse der Zeit und des Handels. Die Messen 6), — in ihren ersten
Anfängen zum Theil unbedeutende Jahrmärkte, aber im Laufe der Zeit durch
verkehrsfreundliche Privilegien beschützt und gehoben, — bildeten im Mittelalter den
Centralpunkt des Handels und des Geldverkehrs; dorthin wurden, — mit jetzt kaum
denkbarem Aufwande an Kosten, Kräften und Zeit, gegen die Unbilden einer rohen ¬
Zeit kümmerlich geschützt durch das landesherrliche Geleit?), — die Erzeugnisse
aller Länder zu bestimmten Zeiten gebracht und zum Verkauf ausgestellt; dort
fanden sich von allen Nationen Käufer und Händler ein. Auch in vielfach anderer
Beziehung waren jene großen Bereinigungspunkte des Handels die Stätten, von
denen, durch die Berührung der Nationen aller Zonen, Bildung und Civilisation
verbreitet wurden. Ausgezeichnet und berühmt als solche Centralpunkte des Völkerverkehrs ¬
waren schon frühzeitig die Messen in Frankreich: die foire de St.
Denis; welche durch ein Privilegium Dagobert's c. 630 und die foire de St.
Laurent, welche im 8. Jahrhundert gegründet wurde; später im 12. Jahrhundert
die Champagner Messen, foires de Champagne, zu Troyer, Provins, Laigny
Bar, und, nach deren Erlöschen im 14. Jahrhundert, die Messen zu Lyon und im
16. Jahrhundert, ausschließlich für den Wechselverkehr, die Genuesermessen zu
Besançon, später zu Piacenza und Novi s). Auch Venedig, Genua, Florenz,
Pisa und Amalfi in Italien; Nürnberg, Augsburg, Ulm, Frankfurt am Main
und Cöln in Deutschland waren reich durch Handel und blühten als große und
wichtige Handelsplätze des Weltverkehrs. Die französischen Messen, ganz besonders ¬
die foires de Champagne, hatten durch königliche Ordonnanzen wichtige
Privilegien erhalten: die maîtres de foires, custodes nundinarum Campaniae, ¬
übten die Jurisdiktion für alle Meßgeschäfte"); die Meßschulden waren
privilegirt durch Schleunigkeit des Prozeßverfahrens und der Exekution (mandements ¬
de foire) *°), durch ihr Vorrecht vor anderen Schulden1*) und durch
ihre Exemtion von den päpstlichen Zinsenverboten 12). Erst der nordische Handelsbund, ¬
die ruhm- und thatenreiche Hansa (1241), verließ das Handelssystem
5) Martensa. a. O. S. 12. 52. Biener a. a. O. S. 13. 273. Kuntze a. a. O. S. 30. 150.
6) Cum nundinae in certo aliquo festo, ubi maximus populi concursus fieri solet, haberentur, ¬
in eoque Missae sacrificia celebrarentur, factum est, ut ipsae nundinae non minus
a feria missae dicerentur. Marquard l. c. Lib. II. cap. VI. No. 63. Scaccia l. c. §. 1.
qu. 1. n. 10. §. 2. gl. 4. Gotz a. a. O. S. 10.
7) Eichhorn, Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte Bd. 2. §. 312. Anmerk. c.
8) Anderson, Histor. und chronolog. Geschichte des Handels. (Riga 1774.) Fischer, Geschichte
des deutschen Handels. (Hannover 1785.) Hüllmann, das Städtewesen des Mittelalters. (Bonn
1826.) Martens a. a.O. S.36. Bienera. a. O. S. 36. 47. Kuntze a. a. O. S. 180. 148.
9) Scaccia l. c. §. 2. gl. 4. n. 8. sq. Constat hic magistratus ex Consule et ex duobus
consiliaribus. Jurisdictio hujus magistratus durat tempore nundinarum. Martens a, a. O.
S. 14. 19. 51. Biener a. a. O. S. 41. Kuntze a. a. O. S. 150.
10) Martens a. a. O. S. 19.
11) Martens a. a. O. S. 19. Bender a. a. O. §. 222. Biener a. a. O. S. 39.
Wächter a. a. O. S. 15. Kuntze a. a. O. S. 31.
12) Martens a. a. O. S. 27. 41.