Volltext : Versuch einer Theorie der Wahrscheinlichkeit zur Gründung des historischen und gerichtlichen Beweises (2)

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Analogie  mit  der  moralischen  geschöpft  werden,
z.  B.  die  Präsumtion,  daß  junge  sanguinische
Körper  zu  wollüstigen  Ausschweigungen,  alte  Leute
zur  ängstlichen  Vorsicht,  zur  Unentschlossenheit,
zum  Geitz,  geneigter  sind,  als  andere;  daß  dem
weiblichen  Geschlecht  feste  Entschliessungen  und
gefährliche  Handlungen  weniger  zuzutrauen  sind,
als  dem  männlichen  *);  daß  unter  zwey  gegebenen
Handlungen  diejenige  eher  vermuthet  werden  müsse,
welche  leichter  auszuführen  sey,  oder  bey  welcher
der  unerlaubte  Vortheil  leichter  verborgen  werden =
  könne.
Noch  stärker  sind  diejenigen  allgemeinen  Präsumtionen, ¬
  welche  bloß  den  physischen  Erfolg  betreffen =
  z.  B.  die  schädliche  Wirkung  eines  Thieres,
einer  Pflanze,  eines  Minerals,  auf  den  Menschen  rc.
aus  eben  dem  Grunde,  weil  die  physische  Analogie,
welche  keine  moralische  Beymischung  hat,  unter  übrigens =
  gleichen  Umständen,  den  Vorzug  verdienet.
Dies  alles  gilt  von  dem  Fall,  wo  man  die  allgemeine ¬
  Präsumtion  braucht  um  die  Existenz  einer
*)  Die  Gallische  Schädellehre  würde  eine  reichhaltige
Quelle  solcher  Präsumtionen  seyn,  wenn  sie  schon
durch  hinlängliche  Erfahrung  bestätiget  wäre,  und
wenn  sie  nicht  ein  anhaltendes  Studium  erforderte,
dessen  nur  wenige  fähig  sind.
            
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