Zweiter Abschnitt.
Das objektive Recht.
Erstes Kapitel.
Das objektive Recht überhaupt.
§ 15. Begriff und Wesen des objektiven Rechts'
I. Begriff. „Recht“ nennen wir sowohl den Inbegriff der
Rechtssätze, wie den Inbegriff der Rechtsverhältnisse. Heute
unterscheiden wir beide Bedeutungen und sprechen daher von „objektivem“ ¬
und „subjektivem" Recht. Im älteren deutschen Recht dagegen ¬
fehlte es an einer bewulsten Erfassung dieses Gegensatzes, so
dals objektives und subjektives Recht einander in unlöslicher Mischung
durchdrangen, Rechtssätze in Rechtsverhältnissen und RechtsverhältF. ¬
J. Stahl, Philosophie des Rechts, 5. Aufl., Heidelberg 1878 (zuerst
1830 ff.). A. Trendelenburg, Naturrecht auf dem Grunde der Ethik, 2. Aufl.,
Leipzig 1868. W. Arnold, Kultur und Rechtsleben, Berlin 1865. K. Binding,
die Normen und ihre Uebertretung, 2 Bde., Leipzig 1872 u. 1877, Bd. I, 2. Aufl.
1890. E. R. Bierling, Zur Kritik der juristischen Grundbegriffe, 2 Bde., Gotha
1877 u. 1883; Juristische Prinzipienlehre, Bd. I, Freiburg u. Leipzig 1894. A. Thon,
Rechtsnorm und subjektives Recht, Weimar 1878. A. S. Schultze, Privatrecht
und Prozels in ihrer Wechselbeziehung, Th. I, Freiburg u. Tübingen 1883. R. v.
Jhering, Der Zweck im Recht, 2 Bde., Leipzig 1877 u. 1883, Bd. I, 2. Aufl. 1885.
F. Dahn, Die Vernunft im Recht, Berlin 1879. A. Lasson, System der Rechtsphilosophie, ¬
Berlin u. Leipzig 1882. A. Merkel, Juristische Encyklopädie, Leipzig ¬
1885; Elemente der allgemeinen Rechtslehre in v. Holtzendorffs Encykl. S. 3-44.
C. Gareis, Encyklopädie u. Methodologie der Rechtswissenschaft, Giessen 1887.
E. Roguin, La règle de droit, Lausanne 1889. P. Klöppel, Gesetz und Obrigkeit,
Leipzig 1891. Regelsberger, Pand. § 9—13. Auch die Schriften in Anm. 1
zu § 27.