Metadaten : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

Man  muß  ohne  Zweifel  in  den  Körpern
Beschaffenheiten ¬
  annehmen,  die  die  Impressionen  verursachen, ¬
  die  sie  auf  unsre  Sinne  machen.
Nur
das  ist  die  Schwierigkeit;  man  will  wissen,  ob  diese ¬
  Qualitäten  auch  dem,  was  wir  empfinden,  ähnlich ¬
  sind.  Der  Umstand  macht  uns  unstreitig  dabey ¬
  irre,  daß  wir  —  indem  wir  die  Idee  von  der
Ausdehnung  in  uns  apperzipiren,  und  eben  keinen
Grund  sehen,  warum  wir  nicht  etwas  ähnliches  in
den  Körper  annehmen  könnten,  —  nun  uns  auch
gleich  einbilden,  daß  auch  den  Perzeptionen  der  Farbe, ¬
  der  Gerüche  u.  s.  w.  etwas  ähnliches  in  den
Körpern  entsprechen  müsse.  Das  ist  ein  voreiliger
Schluß,  der  blos  auf  dieser  Vergleichung  beruht,
und  wovon  man  im  Grund  wirklich  keine  Idee
hat.
Der  von  allen  seinen  Schwierigkeiten  entblößte,
und  von  der  hellesten  Seite  betrachtete  Begriff  von
der  Ausdehnung  ist  weiter  nichts,  als  die  Idee
mehrerer  Dinge,  die  uns  ausser  einander  zu  existiren
scheinen  *).  Das  ist  der  Grund,  warum  wir,  wenn
wir  ausser  uns  etwas  dieser  Idee  ähnliches  annehmen, ¬
  uns  dasselbe  allemal  ehen  so  klar  vorstellen,  als
wenn  wir  es  blos  in  der  Idee  betrachteten.  Ganz
anders  verhält  es  sich  mit  den  Farben,  Gerüchen  rc.
*)  Auch  vereinigt  müssen  sie  uns  scheinen,  sezen  die
Leibnizianer  hinzu.  Der  Zusaz  aber  ist  unnüz,  wenn
von  der  abstrakten  Ausdehnung  die  Rede  ist.  Wir
können  uns  abgesonderte  Wesen  gar  nicht  vorstellen,
ausser  in  sofern  wir  andre  Wesen  voraussezen,  die  jene ¬
  trennen;  Die  Totalität  schließt  die  Jdee  der  Vereinigung =
  ein.
            
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