Metadaten : Reimarus, Hermann Samuel: Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Thiere, hauptsächlich über ihre Kunsttriebe

4  Cap.  Von  den  Kunst52. =

Bey  allen  diesen  Vorzügen  der  äusserlichen
Sinne,  welche  den  Thieren  ihren  Weg  zur
sinnlichen  Gluͤckseligkeit  leicht  machen,  wuͤrden
sie  doch  den  Zweck  ihrer  Natur  lange  nicht  erfüllen =
  können,  wenn  sie  nicht,  ausser  dem  allgemeinen =
  Grund=Triebe  der  Selbst=Liebe,  und
ausser  den  besondern  Affecten=Trieben,  welche
beiderseits  durch  aͤussere  Empfindungen  zur
Wirksamkeit  gereizt  werden,  annoch  natuͤrliche
Kunst-Triebe  besaͤßen.
Denn  es  ist  ja  ein
anders,  an  dem  sinnlichen  Reiz  erkennen,  daß
etwas  gut  sey,  und  also  darnach  Verlangen
tragen;  ein  anders,  die  Mittel  und  die  Art
wissen,  wie  man  dazu  gelangen  könne,  und
selbige  mit  Fertigkeit  ins  Werk  setzen.  Es
ist  ein  anders,  das  Boͤse  an  der  empfundenen
Unlust  merken  und  verabscheuen,  ein  anders
aber  die  Geschicklichkeit  haben,  das  Böse  zu
vermeiden  und  abzukehren.
Zwischen  beiden
ist  eine  große  Kluft  bevestiget;  und  eine  allgemeine ¬
  gute  Neigung  zu  sich  selbst  und  seinem
Geschlechte,  wenn  sie  gleich  in  einen  heftigen
Affect  ausbräche,  würde  doch  den  Thieren
nichts  helfen,  woferne  sie  nicht  mit  einer  besondern ¬
  Geschicklichkeit  versehen  waͤren,  die  besten
und  kürzesten  Mittel  zu  ihrem  Zwecke  zu  wehlen, =
  und  sie  mit  genugsamer  Fertigkeit  anzuwenden. ¬
  Zudem,  so  ist  die  Art  des  Lebens,  in  so
verschiedenen  Thieren,  ganz  verschieden;  ein
jedes  erfordert  sein  gewisses  Element,  Gegend,
und
            
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