Volltext : Gensler, Johann Kaspar: Rechtsfälle für die Civilprocess-Praxis

Responsum.
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er  wolle  sein  Testament  machen  ;  sie  sollten  alle  zuhören  und
es  wohl  merken.  Der  Pächter  Helmbach  äusserte:  da  will
ich  mir  es  lieber  aufschreiben,  um  es  nicht  zu  vergessen.  Wohl,
sagte  Herr  von  Fredesheim,  schreibe  Er,  was  ich  sage.
Auch  soll  Johann  dableiben  und  Zeuge  seyn.  Auch  die  Haushälterin ¬
  soll  gerufen  werden.  Der  Diener  Spilling  rief
diese  herbei,  und  laut  dictirte  nun  Herr  von  Fredesheim -
  dem  Pächter  Folgendes:
Mein  Gut  Monsfeld  ist  Allodium.  Ich  setze  die  Kinder  meiner ¬
  Schwester,  der  Präsidentin  Sophie  von  Adlersberg,
als  Erben  ein;  doch  sollen  sie  meinem  Bruder  Bodo  von
Fredesheim  10,000  Rthlr.  als  Legat  zahlen,  auch  meinem
Diener  Johann  Spilling  jährlich  50  Rthlr.,  so  lunge  er  lebt
und  meiner  Haushülterin  Sabine  Löberfeld  jährlich  ebensoviel ¬
  und  ebenso  lange.  Ersterer  soll  ausserdem  meine  Kleider ¬
  haben,  und  Letztere  das  Bett,  worauf  sie  schläft.  Der
Schule  meines  Geburtsortes  Fredesheim  vermache  ich  200
Rthlr.,  wovon  die  Hälfte  Zinsen  der  Schullehrer  zu  ziehen
hat,  die  andere  Hülfte  aber  jährlich  zum  Ankauf  der  nöthigen ¬
  Schulbücher  für  bedürftige  Kinder  zu  verwenden  ist.
Der  Testator  liefs  sich  hierauf  das  Blatt  reichen,  durchlas ¬
  das  Geschriebene,  forderte  Dinte  und  Feder,  sprach
laut:  die  Schule  soll  300  Rthlr.  haben,  machte  aus  dem  2
eine  3,  und  unterschrieb  seinen  Namen,  Hierauf  befahl  er,
Licht  herbeizuholen,  und  ersuchte  den  Pächter  Helmbach, ¬
  »Siegellack  anzubrennen,  und  es  so  unter  der  Schrift
anzubringen,  dass  er  sein  Siegel  aufdrücken  könne.«  Jenes
vollzog  Helmbach;  Herr  von  Fredesheim  nahm  sein
Pettschaft  und  drückte  es  auf.  Sodann  forderte  er  von
den  5  männlichen  Personen,  „das  Blatt,  unter  seinem  Siegel
und  Namen,  auch  zu  besiegeln  und  zu  unterschreiben.«  Spilling ¬
  und  Helmbach  zollzogen  Beides.  —  Sie  hatten  eigene ¬
  Pettschafte,  an  ihren  Taschenuhren,  Grötzinger,
Vater  und  Sohn,  auch  der  Knecht  Belferich,  erklärten:
»sie  hätten  weder  ein  Pettschaft,  noch  könnten  sie  schreiben.« ¬
  Herr  von  Fredesheim  befahl  dem  Spilling,
aus  dem  in  der  Stube  stehenden  Schrank  ein  Pettschaft  beizuholen. ¬
  Dieses  hatte  auf  3  Seiten  3  verschiedene  Sinnbilder;
            
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