Zu den germanischen Königswahlen.
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davon aus, dass jeder Ausspruch einer gewissen Zahl von
Leuten eben ein Urtheil ist, das nicht mehr durch eine ent-
gegenstehende Majorität beseitigt werden kann, und geben
«o einem uralten Gedanken Ausdruck, der in anderer Prä-
gung auch im Beweisrecht wiederkehrt: denn auch hier ent-
scheidet gegenüber einer noch so verbreiteten abweichenden
Beurtheilung ursprünglich wenigstens eine bestimmte Zahl
von Zeugen oder Eideshelfern; hier wie dort genügt die
Meinung einer geschlossenen Zahl von Volksgenossen. Nach
südlichem Recht dagegen ist, wie es scheint, die Majorität
unbedingt mafsgebend1) und deshalb findet sich nichts der
nordischen Gerichtspaltung Aehnliches mehr.2) Eine weitere
Zersetzung ist es dann wohl auch, dass, wo sich zwei Ur-
theilsvorschläge gegenüberstehen, keiner der beiden Theile
für seinen Vorschlag eine Verantwortung trägt, wenn er in
Minorität bleibt; nur ganz leichte Andeutungen des Gegen-
theils sind zu erkennen.3)
Die französischen Rechtsquellen erwähnen noch da und
dort die Verpflichtung der Urtheilsfinder, dem von andern
gefundenen Urtheil sich anzuschliessen oder selber ein Ur-
theil zu fallen.4) — Eigenartig sind die Angaben des Pierre
*) S.Sp. II. 12. § 10 u. Sw.Sp. 116. 172. — *) Der Satz in Sw.Sp.
172: ei ziehent ouch ir urteil wol an den hoehera rihter, der aller-
dings im Vorausgehenden einen Dissens der Urtheilsfinder voraussetzt,
ist dem Wortlaut nach nichts anderes als das amtliche Befragen des
Oberhofs, nicht die nordgermanische Parteiklage wegen Gerichtsspal-
tung. — *) Planck, Gerichtsverfahren I 8. 265 fde. — *) Beaumanoir
(Beugnot) 65 § 12 Et se l’une partie veut jugier et juge et l’autre
partie ne veut fere jugement, ne se veut accorder a celi, qui est fes,
li sires doit delivrer cix, qui ont jugi£ et retenir cix en prison, qui
ne voelent jugier ne eus accorder au jugement, dusqu’a tant, qu’il se
seroient accordö au dit jugement, ou il aroit fet autre. — Anc. coutuüae
de Bourgogne (Maraier) c. 8: mais se on est en jugement et li un des
jugeour se descorde des autre, ä otroier li convient. Quar li mains se
doit tenir ä la plus grande partie, se il ne les set trop ä tort jugier et
que il le puisse maintenir, se mestier est. — Jean d’Ibelin 46 gestattet
den Urtheilsfindem par la foi qu’il deivent au seignor zu erweisen, qu’il
ne sont pas si apencds, qu’il ne puissent dire o nete conscience: ohne
das wird allerdings die Nichterklärung noch als Verletzung der Lehns-
pflicht gegen den Gerichtsherm angesehen. — Ganz die kanonischen
Normen über Majorität verwendet die Summa de legibus Normanniae
I. 9. 5 in einer andern Beziehung (Tardif): es soll die Mehrheit nur
entscheiden, wenn zu ihr auch die discretiores et majores gehören.