fullscreen : Lehrbuch der allgemeinen Erziehungskunde im Auszuge (Th. 2)

Max-Planck-Institut  für  Bildungsforschu

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mit  ruhig  denkenden  und  empfindenden  Menschen,  die  Brezähmung -
  der  Fantasie,  die  Erregung  edler,  erhabener -
  Gefühle,  körperliche  Bewegung  und  Anstrengung, -
  endlich  besonders  eine  fortwährende
Beschäftigung,  durch  welche  nicht  bloß  die  Hände  in  Bewegung -
  gesetzt,  sondern  auch  der  Kopf  und  das  Herz
fixiret  werden.  Manche  haben  die  gänzliche  Absonderung -
  der  Geschlechter  als  ein  zweckmäßiges  Mittel,  den
Geschlechtstrieb  zu  zähmen,  angesehen.  Allein  dadurch  wird
die  Gefahr  bey  dem  wirklichen  Eintritt  in  die  Welt  vergrößert.
231.  §.  2.  Von  der  Stärke  und  Richtung  des
Geschlechtstriebes.
Die  Geschlechtsliebe,  die  man  mit  fader  Galanterie -
  oder  thierischer  Wollust  nicht  verwechseln
darf,  ist  eine  natürliche,  dem  Grade  nach  bey  den  einzelnen -
  Individuen  verschiedene,  in  ihrer  Ausartung  fürchterliche, -
  an  sich  aber  nicht  unmoralische  Stimmung.
Dieser  Trieb  bedarf  einer  sorgfältigen  Leitung,  um  den
Ausartungen  in  der  Stärke  und  Richtung  desselben
vorzubeugen.  Strenge,  durch  die  man  jede,  auch  die  natürliche -
  und  unschädliche  Thätigkeit  dieses  Triebes  ersticken  will,
würde  den  Jüngling  zum  Verbergen  seines  Innern,  zur  List,
zu  Thorheiten,  oft  zu  unmoralischen  Handlungen  verleiten,
indessen  der  Trieb  unter  der  Hand  einer  weisen  Leitung
vor  den  Ausartungen  hätte  bewahret  werden  können.
232.  §.  Verhalten  des  Erziehers  bey  indirecter,
Die  Geschlechtsliebe  äußert  sich  oft  unter  der  Gestalt
der  Freundschaft  gegen  ein  Individuum  desselben  Geschlechtes, -
  der  Dankbarkeit,  der  Zuneigung  gegen
kleinere  Kinder,  oft  gegen  Thiere.  Der  Zögling  weiß  in
einem  solchen  Falle  selbst  nicht,  was  in  seinem  Innern  vorgehet, -
  und  ist  frey  von  jedem  unmoralischen  Gedanken.  Der
Erzieher  beobachte  ihn  ruhig,  fortwährend  und  unbemerkt. -
  Viele  Worte,  Verbothe,  Drohungen  würden  die
            
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