IV. Der Handel der neuesten Zeit.
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ragender Männer wie Bastiat, M. Chevalier, Garnier und Wolowski fanden
die Bestrebungen der Freihandelspartei keine hinreichende Unterstützung. Erst
die Industrieausstellungen von London und Paris hatten einigen Erfolg zu
Gunsten des Freihandelssystems; Kaiser Napoleon III. war kein so starrer
Protektionist wie die früheren Regierungen, was schon der Abschluß der HandelsIm ¬
verträge mit England, Belgien und dem deutschen Zollverein zeigt.
Prinzip wurde das Protektionssystem bis 1860 festgehalten; ein kaiserliches
Programm vom 5. Januar 1860 aber proklamierte feierlich eine große Anderung; ¬
inauguriert wurde sie durch den Handelsvertrag mit England mit einer
Zollermäßigung von 25% und Aufhebung der Einfuhrverbote. In den Jahren
1871 und 1872 folgte aber eine schutzzöllnerische Reaktion, die jetzt auch auf
Deutschland zurückwirkt.
Von den einzelnen Zweigen der französischen Volkswirtschaft hat die Landwirtschaft ¬
durch die Revolution von 1789, welche die Verhältnisse des Grundbesitzes ¬
gänzlich umgestaltete und denselben zerstückelte, wesentlich andere Lebensbedingungen ¬
erhalten. Der Getreidebau nahm rascher zu, als die Viehproduktion.
Der Weinbau Frankreichs, ein unschätzbarer Reichtumsquell für das Land
erlitt seit der Revolution viele empfindliche Schwankungen. Von 1788 stieg die
ganze Ernte von 27 Mill. Hektoliter bis 54½ Mill. Hektoliter im Jahre 1845.
Nach 1850 kam die Traubenkrankheit und verringerte das Erträgnis 1854 bis
auf 10 Mill.; dann stieg es wieder bis auf 72 Mill. Hektoliter im Jahre 1868.
1875 ergab sogar ein Erträgnis von 83,6 Mill. Hektoliter; seitdem aber ist
infolge von Traubenkrankheiten Erträgnis und Export in einer geradezu erschreckenden ¬
Weise gesunken. Man warf sich in der Folge auf die künstliche
Weinfabrikation aus ausländischen Weinbeeren.
Die französische Industrie hat, seit die Revolution das Prinzip der
Gewerbefreiheit proklamierte, dieses Prinzip erhalten und verdankt ihm, neben
dem Geschmack und Geschick der Franzosen, ihre heutige Weltstellung. Doch
hat auch die Zollgesetzgebung durch Eingangszölle auf ausländische Fabrikate
und durch Rückzölle für in Frankreich aus ausländischen Rohstoffen gefertigte
Produkte viel zu Gunsten der einheimischen Industrie gewirkt. Das meiste
und beste aber verdankt die französische Industrie nicht den Regierungen des
französischen Volkes, sondern ihm selbst. Der Vorsprung namentlich, den die
französische Kunstindustrie vor den konkurrierenden Bestrebungen der ganzen
Welt voraus hat, ist entschieden ein nationales Verdienst. Der gute Geschmack
ist in Frankreich Eigentum der Masse, des ganzen Konsumtionspublikums, nicht
bloß einzelner, wie dies anderwärts der Fall ist.
Frankreichs hielt in der letzten Periode gleichen Schritt
Der Handel
Entwickelung, so daß Frankreich jetzt neben Großbritannien
mit der industriellen
und den Vereinigten Staaten an der Spitze des Welthandels steht. Der
auswärtige Handel insbesondere, welcher zehn Jahre nach dem Pariser Frieden
zwischen 390—400 Mill. Fr. geschwankt hatte, stieg 1883 auf 5886 Mill. Fr.
Einfuhr und 4561 Mill. Fr. Ausfuhr.
Das Kreditwesen Frankreichs hat sich im ganzen normal entwickelt.
Den ersten Rang unter den Banken behauptet die Bank von Frankreich, ¬
welche vom Jahr VIII (nach der Zeitrechnung der Republik) als unabhängige ¬
Anstalt besteht. Die Regierung hatte sie durch Zeichnung von
5000 Aktien unterstützt. 1803 erhielt sie das ausschließliche Privilegium,
Scheine auf Sicht und auf den Inhaber auszustellen, auf 15 Jahre. Ihr
Kapital wurde mehrmals erhöht, auch wieder vermindert, ihr Privilegium
öfter verlängert, zuletzt bis zum Jahre 1897. Sie hat alle politischen und
volkswirtschaftlichen Krisen glücklich überstanden. — Der Pariser Crédit Mobilier,
gegründet 1852, hat sich an zahlreichen großen Unternehmungen beteiligt; so