Vierter Abschnitt.
einen Andern geheirathet hat; d) wenn sie von einem Andern,
den sie irriger Weise für ihren Mann hielt, beschlafen worden ist;
e) wenn sie genothzüchtiget wurde; f) wenn der Mann, im Bewußtseyn ¬
seines Rechtes, auf Trennung zu dringen, entweder
durch aufrichtige Reden oder durch gewisse, in der Absicht der
Aussöhnung unternommene, Handlungen den Ehebruch verziehen
hat. Wenn die Ehe zu einer Zeit, da beyde Theile noch ungläubig
der Mann die Frau verstieß, und
waren, eingegangen wurde,
sie einen Andern heirathete, so ist er, wenn beyde Theile nachher
Christen werden, schuldig, dieselbe zurück zu nehmen *.
§. 187.
Zweyter streitiger Fall wegen Entfernung des ungläubigen von dem gläubigen =
Gatten.
Wenn zwey Ungläubige eine Ehe mit einander geschlossen haben, ¬
deren einer sich später zur christlichen Religion bekennt, der
andere aber in seinem Unglauben verharret, und mit dem erstern
entweder gar nicht mehr leben will, oder nicht anders, als unter
Gotteslästerungen und mit dem Bestreben, ihn zur Sünde zu
verführen, so gestattet der Papst Innocenz III. cap. 7 X. de divortiis ¬
(IV. 19) dem christlichen Theile zu einer neuen Ehe zu
schreiten. Dieser Meinung pflichten auch der Papst Benedict XIV.
in seinem Werke de Synodo Dioecesana Lib. 6. cap. 4 und viele
Theologen sowohl als Canonisten bey. Das Befugniß des gläubigen ¬
Ehegatten, in dem gedachten Falle eine neue Ehe zu schließen,
leitet man aus des Apostels Paulus epist. I. ad Corinth. cap. 7,
v. 11—15 her, wo es heißt: »Si quis frater uxorem habet in»fidelem ¬
et haec consentit habitare cum illo, non dimittat
»illam. Et si quae mulier fidelis habet virum infidelem, et hic
»consentit habitare cum illa, non dimittat virum. — Quod ai
4 Vid. Dissertatio canonica de matrimonio juxta disciplinam Graecae ¬
orientalis ecclesiae ab Samuele Klein de Szad, Dioeceseos
Fogariensis in Transylvania Presbytero et in Seminario generali
Graeco-Catholicorum ad S. Barbaram studiorum Praesecto,
Viennae 1827 8., und meine Abhandlung über die Auflösbarkeit der
Ehe rc. in Pratobevera's Materialien V. B. §. 40 - 44.
S. 125 — 130.