Von Finger. 39
die Verwirklichung des Diebstahls von der Folge der Strafe be-
gleitet weiß.
Bezeichnet kann mit V, Vlf V2 u. s. w. die in das Blick-
feld des Bewußtseins tretenden Vorstellungen und wird durch die
Koeffizienten 1 und u die einzelne Vorstellung als eine lust- oder
unlustbetonte gekennzeichnet, so lassen sich die bisher besprochenen
Wegebaus denen eine Beeinflussung des Willens möglich ist,
schematisch in folgender Weise darstellen:
1. Herstellung enger assoziativer Verbindung zwischen zwei
Vorstellungen mit entgegengesetztem Gefühlswert
Vi_V,u
Die Vorstellung V1; die einen der Vorstellung V entgegen-
gesetzten Gefühlswert hat, muß nicht nur in enger assoziativer
Verbindung mit ihr stehen, der Inhalt der assoziativen Verbin-
dung muß auch dahin gehen, daß der Verwirklichung eines der
Vorstellung V entsprechenden Weltbildes ein der Vorstellung
entsprechendes nachfolgt.
2. Allmähliche Umwandlung einer onto- oder phylogenetisch
lustbetonten Vorstellung in eine unlustbetonte — aus dem
V./ soll allmählich ein V2U
und hierdurch die Richtung des Handelns beeinflußt werden.
In letzterer Hinsicht ist noch folgendes zu erwähnen:
Der Gefühlston der Vorstellungen ist zum Teile hergeleitet
von den ihnen zu Grunde liegenden Empfindungen; an die Vor-
stellung akustischer, optischer, taktiler Reize knüpft sich ein inten-
sives oder schwaches Lust- resp. Unlustgefühl, weil die entsprechende
akustische, optische Einwirkung eine angenehme oder unangenehme
Empfindung ausgelöst hatte.
Der Gefühlston der Vorstellungen ist ontogenetisch, durch die
Erfahrungen des einzelnen, aber auch phylogenetisch, durch die
Erfahrungen von Gruppen bestimmt. Der einzelne muß den
Schatz der ihm eigentümlichen Assoziationen zwischen Vorstellungen
und Gefühlen nicht völlig neu erwerben — er ererbt von seinen
Vätern mindestens die Tendenz zur Herstellung solcher Assoziationen.
Eine einmalige Erfahrung genügt bisweilen, um beim Individuum