Anwachsung bei Vermächtnissen. §. 644.
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3. Anwachsung bei Vermächtnisset
§. 644.
Wird ein Vermächtniß nicht erworben 1, so gereicht dieß, abgesehen ¬
von dem Fall, wo ein Substituirter vorhanden ist (§. 637),
zum Vortheil des Beschwerten?. Ist aber Mehreren Einunddasselbe ¬
vermachts, so fällt, wenn Einer von ihnen nicht erwirbt,
der Theil, welchen er erhalten haben würde, wenn er erworben
hätte, an die Uebrigen, welche zum Erwerbe gelangen4; sein
Theil wächst denselben an5
* M. S. Mayer das Recht der Anwachsung bei dem testamentlichen
und gesetzlichen Erbrecht und bei Legaten oder Fideicommissen S. 85 fg.
(1835). K. A. Schneider das altcivile und Justinianische Anwachsungsrecht ¬
bei Legaten und die caducarischen Bestimmungen der lex Iulia et
Papia (1837). Darüber Huschke in den krit. Jahrb. f. deutsche RW. 1838
S. 308—332. S. ferner: Francke Beiträge I S. 111 fg. (1828). Roßhirt ¬
Vermächtnisse I S. 589 fg. (1835). Witte RLex. I S. 313 fg.
(1838). Dworzak Beiträge zur Lehre vom ius accrescendi, besonders bei
Legaten, Haimerl's österr. VISchr. VIII S. 1—91 (1861). Burchardi
Jahrb. d. gem. R. V. 1 (1862). Baron Gesammtrechtsverhältnisse S.
420—446 (1864). Arndts Forts. von Glück XLVI S. 476—519 (1869).
XLVIII S. 1—198 (1875). Samter Arch. f. civ. Pr. LX S. 77 fg.
(1877). Vangerow II §. 547, Sintenis III S. 707—710, Unger §. 63.
1 Gleichgültig, ob es wenigstens angefallen ist, oder ob auch kein An= §. 64½
fall stattgefunden hat.
2 L. 17 pr. 1. 60 D. de leg. I10, l. un. §. 3. 4. 7. 8. 11 C. de cad.
toll
6. 51.
3 Eineunddieselbe Sache, eineunddieselbe Summe oder Quantität, eineunddieselbe ¬
Arbeitsleistung 2c.
4 §. 8 1. de leg. 2. 20. „Si eadem res duobus legata sit ... si
ambo perveniant ad legatum, scinditur inter eos legatum; si alter
deficiat, quia aut spreverit legatum aut vivo testatore decesserit aut
alio quolibet modo defecerit, totum ad collegatarium pertinet
5 Die neuesten Bestimmungen des römischen Rechts über das Anwachsungsrecht ¬
enthält 1. un. C. de caducis tollendis 6. 51 (a. 534, vgl.
Const. Dedit §. 6). In dieser Constitution hob Justinian die Bestimmungen
der lex Iulia et Papia Poppaea auf, durch welche das Anwachsungsrecht,
abgesehen von dem Falle ursprünglicher Ungültigkeit der Vermächtnißverfügung, ¬
fast ganz verdrängt worden war (Gai. II. 206—208, Ulp. XVII.
2. XVIII. XXIV. 12. 13), ohne jedoch das frühere Recht vollständig wiederherzustellen ¬
(vgl. §. 604 Anm. 1). So hat er namentlich den Unterschied
getilgt, welchen das ältere Recht in Betreff des Anwachsungsrechts zwischen
den verschiedenen Arten der Vermächtnisse machte, je nach dem sie ein dingliches ¬
Recht oder ein Forderungsrecht begründeten. Vgl. Note 9.