Volltext : Schulreform und Gesellschaft (T. 1)

-  36  -dürfte -
  den  Bedingungen  der  Landschulen  eher  entgegenkommen,
da  sie  nicht  an  Parallelklassen  gebunden  ist,  wenn  auch  die
größeren  Stadtschulen  sicherlich  günstigere  Voraussetzungen
für  Spezialisierungen  bieten.  Die  Nichtberücksichtigung  der
Besiedelungsstruktur  bei  Schulreformen  hätte  einen  Widerspruch -
  zu  dem  in  der  Sowjetunion  -  ähnlich  wie  in  der  DDR
ausdrücklich  proklamierten  gesellschaftspolitischen  Ziele
bedeutet,  die  Gegensätze  zwischen  städtischen  und  ländlichen
Regionen  zu  beseitigen.
Vergleicht  man  die  Wirkung  der  regionalen  Bevölkerungsverteilung -
  in  Schweden  mit  der  in  der  Sowjetunion,  dann  fällt
zunächst  auf,  daß  die  Bevölkerungsverteilung  in  beiden  Ländern -
  Differenzierungsmaßnahmen  größeren  Ausmaßes  verhindert -
  oder  doch  zumindest  verzögert  hat.  Umgekehrt
unterstützt  die  ungleiche  Besiedlungsdichte  Reformen,  die
auf  eine  Vereinheitlichung  des  Bildungssystems  zielen.
Da  in  beiden  Ländern  eine  in  sich  differenzierte  Einheitsschule -
  das  von  den  Reformträgern  angestrebte  Ziel  war,
ergab  sich  in  Schweden  im  ersten  Zuge  -  Vereinheitlichung
eine  Begünstigung  der  Reform,  deren  volle  Verwirklichung
-  Differenzierung  -  jedoch  durch  denselben  Faktor  in  der
Folge  beeinträchtigt  wurde.  In  der  Sowjetunion,  wo  die
Einheitsschule  der  Ausgangspunkt  war,  wurde  nur  die
differenzierungs-  und  damit  reformhemmende  Wirkung
aktuell.  Die  Bedeutung  des  Faktors  in  beiden  Ländern
ist  eine  andere  als  in  Frankreich,  wo  sich  die  Reform
sozusagen  passiv  der  Besiedelungsstruktur  anpaßte,  mit
der  Folge,  daß  eine  fortgesetzte  Benachteiligung  der  Landregionen -
  praktisch  in  die  Reformplanung  einging.
            
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