412 III. Abhandlung. Fünftes Kapitel.
Alle diese Umstände haben sogleich beim ersten Anblik ¬
viel Scheinbares, für diejenigen an sich, die da
glauben, daß die Embryonen in dem Staube der Antheren ¬
präexistiren, und daß sie von da aus erst in die
Körner übergiengen, so, daß also die Körner, vor der
Befruchtung, ohne Embryonen wären. Wir haben
den Antherenstaub sehr genau durch's Mikroskop untersucht, =
und haben die Embryonen, oder diesen ähnliche
Körper darinne entdekken wollen, aber alle unsre Bemühungen ¬
sind vergeblich gewesen, §. XV. ja ich bin
der Natur auf einem andern Wege nachgegangen, indem ¬
ich den befruchtenden Blumenstaub von den Cierstökken =
entfernte; dieses Mittel schien mir im Stande
zu sein, das Geheimniß zu verrathen: ich habe
mit Pflanzen, welche vermischte Geschlechter haben
(hermaphrodites), Versuche gemacht, mit denen, welche
für sich auf ein und eben derselben Pflanze männliche und
weibliche Blumen zugleich tragen, und auch diese habe
ich untersucht, welche besondre männliche und besondre
weibliche Blumen bringen. Den erstern habe ich die
Antheren abgeschnitten, ehe der Staub noch reif war,
bei den andern that ich dieses, als die Blumen noch
ein ganz grünes Ansehn hatten; und bei den dritten
sezte ich die weiblichen Pflanzen ganz an abgesonderte
Orte. In den Hermaphroditenpflanzen konte die Entziehung =
des Antherenstaubes nicht hindern, daß der
Embryon nicht in den Körnern hätte erscheinen sollen, ob
gleich diese Körner in der Erde nicht aufgiengen. Eben
diese Beraubung des Blumenstaubes, bei einigen Pflanzen, =
die männliche und weibliche Blumen auf ein und eben
derselbigen Pflanze, zugleich tragen, hat die Embryonen =