Full text: Budau, Victor: ¬Die dringende Nothwendigkeit der Einführung der obligatorischen Civilehe in Oesterreich

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die Lösung unglücklicher Ehen und die 
Eingehung neuer, glücklicherer Ehen zu 
ermöglichen. 
Die Unauflöslichkeit unglücklicher Ehen wirkt 
nachtheilig auf die Familienbildung, bewirkt ohne 
zwingende Ursache Unzufriedenheit, ja nicht selten 
Verzweiflung, und widerstreitet daher den eigenen 
Interessen, wie auch den Wohlfahrtszwecken des 
Staates. 1)—7) 
*) Die Unlösbarkeit unglücklicher Ehen bedeutet für die 
schuldlosen Gatten den Abschluss mit allen Freuden des 
Lebens, die Entziehung des vielen Glückes, welches ihnen 
eine harmonische Eheverbindung gleich einem nie versiegen 
den Born in unerschöpflichem Masse gewähren könnte. Wie 
unglücklich erscheint eine Ehe, in welcher die hässliche 
Figur des genusssüchtigen, unzufriedenen, den Gatten 
treulos verlassenden Weibes entgegentritt, welches an Stelle 
zarter Anhänglichkeit dem liebenden Manne nur Kummer und 
Enttäuschung bietet und ohne Reue sein gekränktes Gemüth 
durch Verhöhnung alles versöhnlichen Entgegenkommens herz 
los der Verzweiflung zutreibt. Wie traurig ist ferner auch das 
Schicksal jenes Weibes, welches vom Ehegatten anstatt 
geachtet und gepflegt, in roher Weise thätlich misshandelt 
wird. Wie wenig endlich verdient den Namen einer Ehe jenes 
Verhältniss zwischen Mann und Weib, bei welchem Ehebruch, 
Prostitution des einen Theils alle ehelichen Bande zerrissen 
haben 
Unsere derzeitige Gesetzgebung gestattet den Katholiken 
auch bei Vorhandensein gewichtigster Gründe keine Trennung 
des Ehebandes, sondern nur eine Scheidung des Zusammen 
lebens. Der schuldlos unglückliche Ehegatte sieht, dass er 
mit einer anderen Gattin glücklich geworden wäre, glücklich 
sein könnte; aber alles Zerren an den Ketten ist vergeblich; 
nur der Tod des anderen Theiles oder das Verlassen des 
Glaubens, der Heimat, des Vaterlandes kann noch Befreiung 
bringen. — Wer wollte die Trennung solch' unglücklicher 
Ehen für unmoralisch finden, insbesondere wenn sie ander 
wärts gesetzmässig erscheint? 
2) Mit Recht bemerkte der Präsident des Staatsrechnungs 
hofes Gajzagó in der Sitzung des ungarischen Oberhauses 
vom 7. Mai 1894, dass die Auflöslichkeit der Ehe oft ein 
Segen für die Ehegatten ist.
	        
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